Rund um: Die C3-Glomerulonephritis
Shownotes
In dieser Folge begleiten wir Kamil, der bereits als Kind plötzlich von einer seltenen Nierenerkrankung betroffen war. Diese stelle sich als C3-Glomerulonephritis heraus, ein komplizierter Name mit einer noch komplizierteren Ursache. Leider kommt es im Verlauf auch noch zu einer schweren Komplikation – einer Meningitis. Nun ist Kamil 20 Jahre alt und erzählt uns offen und ehrlich von seinem Leben mit seiner besonderen Nierenerkrankung. Gemeinsam mit unserem Experten Prof. Dr. Brinkkötter sprechen wir darüber, wie diese Erkrankung entsteht, warum das Komplementsystem hier eine entscheidende Rolle spielt und welche Therapien in Frage kommen. Wir gehen auf die eingesetzten Medikamente ein, erklären die medizinischen Hintergründe und wieso Impfungen hier so wichtig sind. Eine Folge, die medizinisches Wissen mit einer persönlichen Geschichte verbindet – verständlich, nahbar und bewegend.
Mehr Informationen rund um die Niere findet Ihr auf unserer Website!
Ihr habt Ideen, Vorschläge und weitere Fragen, die wir in unseren nächsten Folgen adressieren sollen? Nehmt gerne Kontakt mit uns auf, schreibt sie in die Kommentare oder kontaktiert uns über https://forus.info/kontakt, wir freuen uns über jedes Feedback!
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S01: Da hat man dann noch herausgefunden, dass es eine starke Erniedrigung im C3-Komplement gibt,
S01: wo ich jetzt aber natürlich nicht allzu viel sagen kann, deswegen haben wir, ähm...
S00: Deswegen hören wir Paul. Genau.
S00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Podcast-Folge rund um die Niere.
S00: Heute nehmen wir euch mit in ein Thema, das vielen wahrscheinlich nicht ganz so geläufig ist,
S00: und zwar die C3-Glomerulonephritis, oder kurz gesagt C3-GN.
S00: Die C3-GN gehört zu den seltenen Nierenerkrankungen, die das Immunsystem betreffen.
S00: Genauer gesagt das Komplementsystem, ein Teil unserer körpereigenen Abwehr.
S00: Viele Betroffene haben am Anfang nur unspezifische Symptome, bis dann plötzlich die Diagnose im Raum steht.
S00: Aber was bedeutet so eine Diagnose eigentlich für den Alltag?
S00: Wie fühlt es sich an, damit zu leben?
S00: Was passiert im Körper und welche Therapien gibt es, um das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen?
S00: Genau darüber wollen wir heute sprechen, und dafür habe ich mir wieder gleich zwei Gäste eingeladen.
S00: Zum einen hört ihr heute die persönliche Geschichte von Kamil, der von der Erkrankung selber betroffen ist.
S00: Er nimmt uns mit, zurück zu dem Moment, als alles begann.
S00: Von den ersten unspezifischen Beschwerden über die Diagnose, bis hin zu seinen Gedanken, Ängsten und Hoffnungen und seinem Leben mit der C3-GN.
S00: Lieber Kamil, herzlich willkommen und vielen Dank, dass du hier bist.
S01: Ja, danke, dass ich hier sein darf.
S00: Damit wir auch alles Medizinische gut verstehen, haben wir außerdem wieder einen Experten mit dabei,
S00: den wir bereits aus unserer ersten Folge rund um das nephrotische Syndrom kennen.
S00: Unser Experte ist heute wieder Professor Paul Brinkkötter,
S00: denn seine Fachgebiete sind unter anderem seltene Nierenerkrankungen und das Komplementsystem.
S00: Heute erklärt er uns, was es mit der C3-GN auf sich hat, welche Rolle moderne Komplementhemmer spielen,
S00: warum Forschung hier so wichtig ist und worauf Betroffene und Angehörige besonders achten sollten.
S00: Lieber Paul, auch vielen Dank an dich, dass du heute wieder als Experte mit dabei bist.
S02: Liebe Sophia, vielen Dank. Ich freue mich auf den Austausch.
S00: Lieber Kamil, magst du dich einmal kurz vorstellen und uns direkt mitnehmen?
S00: Wie hast du es damals bemerkt, dass etwas nicht stimmt?
S01: Ja, gerne. Also wie gesagt, ich heiße Kamil, ich bin 20 Jahre alt und, genau, lebe mit C3-GN
S01: und das schon seit 15 Jahren, beziehungsweise wurde es vor 15 Jahren diagnostiziert
S01: und herausgefunden wurde das Ganze tatsächlich durch Blut im Urin,
S01: was bei einer Routineuntersuchung festgestellt worden ist.
S01: Und genau, dann wurde ich zur kindernephrologischen Ambulanz weitergeschickt
S01: und da hat man dann noch herausgefunden, dass es eine starke Erniedrigung im C3-Komplement gibt,
S01: wo ich jetzt aber natürlich nicht allzu viel sagen kann, deswegen haben wir...
S00: Deswegen hören wir Paul.
S01: Genau, deswegen haben wir Prof. Dr. Brinkkötter da mit dabei.
S01: Genau, und was ich auch noch sagen kann, ist, dass die allererste Auffälligkeit mit Wasser in den Beinen begonnen hat
S01: und das andere dann eben darauf folgte.
S00: Ja, das deckt sich ja schon sehr mit den Symptomen, die auch bereits unsere anderen betroffenen Gäste
S00: der letzten Folgen hier geschildert hatten, die ebenfalls von einer glomerulären Erkrankung betroffen sind.
S00: Lieber Paul, kannst du uns erklären, was hinter dieser Diagnose steckt,
S00: was passiert im Körper bei der C3-GN und was hat das Komplementsystem damit zu tun
S00: oder beziehungsweise erstmal überhaupt die Frage, was ist das Komplementsystem eigentlich überhaupt?
S02: Ja, vielen Dank. Das waren jetzt ganz viele Fragen.
S02: Also, was schon mal deutlich geworden ist anhand der Beschreibung Wasser in den Beinen,
S02: wir haben hier wieder eine Störung des Nierenfilters.
S02: Und das ist die Herausforderung für uns in der Klinik,
S02: weil sich verschiedene Krankheiten hinter ähnlichen Symptomen verbergen können.
S02: Und anhand der Klinik, der klinischen Symptome, aber auch der Laborwerte, die wir dann bekommen,
S02: können wir häufig nicht genau sagen, was ist die zugrunde liegende Ursache.
S02: Und bei Kindern unterscheidet sich das dann auch noch von Erwachsenen.
S02: So, dass man immer wirklich ganz genau gucken muss.
S02: Und ich nehme an, so war das damals auch bei Ihnen, dass man am Anfang gedacht hat,
S02: das ist eine der häufigen Sachen und entsprechend mit Standardmedikamenten behandelt hat,
S02: wenn man eben diese Diagnose feststellt: viel Eiweiß im Urin.
S02: Und das ist ja das, was wir beim letzten Mal auch besprochen haben,
S02: wo man dann den Verdacht hat auf diese Erkrankung der Minimalveränderungen,
S02: wo man dann Cortison gibt in hohen Dosen.
S02: Und die allermeisten Kinder sprechen darauf sehr, sehr gut an.
S02: Kamil, ich nehme an, das war nicht der Fall damals.
S01: Nein, war es nicht, genau.
S01: Das Ganze war etwas anders.
S01: Also, Cortison kam wesentlich später erst ins Spiel.
S01: Begonnen hat man einfach tatsächlich mit, ich weiß noch,
S01: dass Losartan und Ramipril meine ersten Medikamente waren.
S01: Ramipril nehme ich auch noch bis heute ein,
S01: aber Losartan wurde irgendwann dann abgesetzt.
S01: Und dann sind jegliche weitere Medikamente gefolgt.
S02: Wurde denn auch einmal eine Gewebeprobe entnommen aus der Niere?
S01: Exakt, ich hatte zwei Nierenbiopsien.
S01: Die erste war, meine ich, im Jahr 2011.
S01: Und daraufhin folgte dann die zweite im Jahr 2014.
S01: Und genau, also die zwei Biopsien.
S02: Genau.
S02: Und das ist eigentlich die Erfahrung,
S02: aber dass wir über die Biopsie uns dann der Diagnose nähern,
S02: ist häufig der Fall.
S02: Denn wenn wir einen nicht ansprechen sehen auf die übliche Therapie,
S02: dann entscheiden sich die Kollegen häufig dann auch bei Kindern.
S02: Bei Erwachsenen sind wir schon früher,
S02: da machen wir das von Anfang an,
S02: zu einer Gewebeprobe.
S02: Und dann hilft uns der Kollege aus der Pathologie,
S02: der unter dem Mikroskop sich den kleinen Gewebezylinder anschaut,
S02: die richtige Diagnose zu stellen.
S02: Und wenn wir über die C3-GN reden,
S02: dann erwarten wir da ein ganz typisches Muster,
S02: ein Krankheitsmuster,
S02: was der Kollege aus der Pathologie beschreibt.
S02: Und er sieht da dann besondere Ablagerungen
S02: bei Spezialfärbungen, die die machen.
S02: Das können wir nur,
S02: diese Diagnose können wir nur stellen mit der Gewebeprobe.
S02: und die Kollegen aus der Pathologie können das dann sehr, sehr schön beschreiben,
S02: anhand bestimmter Färbemuster und nennen das dann C3-GN.
S02: und zusammen mit der Klinik können wir dann die Diagnose stellen.
S02: Und was steckt dahinter?
S02: Da gibt es verschiedene Ursachen, die dahinter stecken können.
S02: Du hast es schon gesagt, Sophia,
S02: wir reden von einer Fehlsteuerung des sogenannten Komplementsystems.
S02: Das ist in der Biologie ein sehr alter Bestandteil unseres Immunsystems.
S02: und der ist hier fehlgesteuert.
S02: Und es kommt zu einer Aktivierung dieses Komplementsystems.
S02: Normalerweise wird dieses Komplementsystem aktiviert,
S02: wenn wir einen Infekt haben über Antikörper,
S02: die das Komplementsystem aktivieren können.
S02: Und was man hier in dieser Biopsie gesehen hat,
S02: ist eben, dass es nicht nur Antikörper,
S02: sondern vor allem eben Komplementaktivierung gibt,
S02: viel mehr als Antikörper.
S02: Und diese Dominanz,
S02: dieses Überwiegen der Komplementaktivierung
S02: hat dann geführt zu dem Namen C3,
S02: Glomerulonephritis. C3 ist ein Bestandteil dieser Komplementkaskade.
S02: Die sind durchnummeriert
S02: und haben entsprechend, fangen wir mit C1, C2, C3,
S02: da gibt es ja noch so Abbauprodukte bis C9.
S02: Also man hat so eine ganze Kaskade,
S02: die, man muss sich das vorstellen,
S02: wie Dominosteine nacheinander zum Fallen kommen.
S02: Und wenn wir hier eine unkontrollierte Aktivierung haben,
S02: dann hat das Auswirkungen.
S02: Und bei der Niere sehen wir dann eben,
S02: dass dann die Gefäße ausgekleidenden kleinen Zellen,
S02: dass die angegriffen werden
S02: und dass dann da der Nierenfilter gestört wird.
S02: Und genau das haben wir gesehen in der Nierengewebeprobe.
S02: Und so ist die Diagnose gestellt worden.
S02: Und die entscheidende Frage,
S02: und darüber,
S02: das ist immer das Erste, was wir dann gefragt werden,
S02: ja, warum?
S02: Warum kommt es dazu?
S02: Und da gibt es halt verschiedene Ursachen,
S02: das ist noch nicht ganz verstanden.
S02: Manchmal findet man Autoantikörper dagegen,
S02: dass das Immunsystem überreagiert,
S02: also eine Autoimmunerkrankung.
S02: manchmal stecken aber auch genetische Veränderungen,
S02: also eben Erbgutveränderungen dahinter,
S02: die man von Vater oder Mutter mitbekommen hatte,
S02: oder eine spontane Mutation,
S02: die dazu geführt hat,
S02: dass das Komplementsystem falsch aktiviert ist.
S00: Okay, das ist ja auf jeden Fall ganz spannend zu hören,
S00: weil gerade in den ersten Folgen
S00: hat ja auch schon Professor Lutz Weber erzählt,
S00: dass gerade bei Kindern und Jugendlichen
S00: man eigentlich gerne auf eine Nierenbiopsie verzichtet.
S00: Das war ja bei dir anscheinend so,
S00: dass gerade die Therapie initial
S00: gar nicht funktioniert hat
S00: und man sich deswegen dann
S00: für die Gewebeprobe entschieden hat,
S00: um ein bisschen genauer nachzuschauen,
S00: was da los ist.
S00: Und das C3 in C3-GN
S00: ist also einfach die Nummerierung
S00: des Komplementes C3.
S00: Habe ich das richtig verstanden, Paul?
S02: Ja.
S00: Oder was ist das C3 genau?
S02: Genau, also das ist stark vereinfacht gewesen.
S02: Es ist natürlich alles in Wirklichkeit
S02: viel, viel komplizierter
S02: und sprengt auch hier den Rahmen.
S02: Aber wir müssen uns das so vorstellen,
S02: dass dieses sogenannte Komplementsystem,
S02: dass das extrem wichtig ist
S02: für unsere körpereigene Immunabwehr
S02: und dass wir das über die Evolution,
S02: über viele, viele Millionen Jahre
S02: mit uns tragen.
S02: Und wie ich schon angedeutet habe,
S02: es kann auf verschiedene Wege
S02: aktiviert werden.
S02: Es gibt einen Teil,
S02: der über Antikörper im Rahmen
S02: eines Infekts,
S02: einer Infektreaktion aktiviert wird
S02: und es gibt einen Teil,
S02: der ist immer aktiv.
S02: und dann haben wir aber auch
S02: entsprechende andere Bestandteile,
S02: sogenannte Proteine in unserem Körper,
S02: die immer auf die Bremse treten,
S02: sodass ich einen Teil habe,
S02: der immer Gas gibt
S02: und einen Teil habe,
S02: der immer bremst
S02: und zusammen wird daraus dann
S02: ein gut kontrolliertes,
S02: gesteuertes System.
S02: Wenn jetzt da aber eine Veränderung vorliegt,
S02: weil eben eines dieser
S02: auf die Bremse tretenden Faktoren
S02: gehemmt wird,
S02: dann habe ich diese Überaktivierung.
S02: Und an verschiedenen Stellen
S02: können diese Dominosteine anfangen zu fallen.
S02: Es kann bei 1 losgehen,
S02: das ist so das Klassische
S02: über die Antikörper.
S02: Es gibt aber auch manchmal
S02: so einen Quereinstieg.
S02: Da geht es dann bei C3 los
S02: oder bei C5 los.
S02: Und was wir sehen in der Färbung ist,
S02: und da gucken die Kollegen nach,
S02: die färben nämlich für C3
S02: und deswegen nennen wir das dann
S02: C3-Glomerulopathie.
S02: Die gucken gar nicht
S02: nach all den anderen Faktoren.
S02: Nach manchen können wir gar nicht gucken,
S02: weil wir da keine guten Messmethoden für haben.
S02: So ist der Name entstanden.
S00: Super, ja.
S00: Vielen Dank für die verständliche Erklärung
S00: eines ja nun sehr komplexen Themas.
S00: Ich denke,
S00: jetzt haben wir alle ein besseres Bild
S00: von der Erkrankung
S00: und können das Ganze etwas besser einordnen.
S00: Kamil, wie ging es denn nun für dich
S00: nach der Diagnose weiter?
S00: Welche Behandlungen hast du damals bekommen
S00: und wie sieht es heute aus?
S01: Genau, also nach den Biopsien,
S01: meine ich, wurde nach zwei Jahren noch,
S01: das wurde auch eben angesprochen,
S01: eine genetische Untersuchung
S01: vorgenommen.
S01: Da wurde aber nichts
S01: weiterhin Auffälliges
S01: entdeckt.
S01: Und dann hat man eben über die Jahre
S01: mit verschiedensten Medikamenten ausprobiert,
S01: eben diese Proteinurie-Ausscheidung
S01: zu minimieren,
S01: was mal mehr gelungen ist
S01: und mal weniger gelungen ist.
S01: Ich weiß jetzt nicht,
S01: wie relevant es wäre,
S01: jetzt die jeglichen Medikamente aufzuzählen,
S01: aber es waren eben,
S01: wie schon genannt,
S01: Ramipril, Losartan dabei,
S01: dann aber auch Medikamente,
S01: der Immunsuppression,
S01: wie wird das ausgesprochen?
S01: Immunsuppression.
S01: Suppression, danke.
S01: Genau, etwas runtergefahren haben.
S01: Das waren in dem Fall,
S01: wo dann Cortison mit ins Spiel kam,
S01: aber auch das sogenannte CellCept.
S01: Daraufhin folgte dann auch noch
S01: die Therapie mit dem Ravulizumab,
S01: was dann am Ende gescheitert ist,
S01: dadurch, dass ich dann an einer Meningitis erkrankt bin.
S01: Und jetzt ist der aktuelle Stand,
S01: dass ich Forxiga zu mir nehme,
S01: dann Fabhalta, also Iptacopan,
S01: wo es auch einige Probleme erst mal mit gab,
S01: also an das Herankommen an das Medikament,
S01: nicht bei der Einnahme.
S01: Und das Ramipril eben,
S01: ja, unterstützt mich bis heute.
S00: Jetzt haben wir ja sehr viele spezielle Medikamentennamen gehört.
S00: Lieber Paul, vielleicht kannst du uns das ein bisschen besser erklären.
S00: Wie genau wirken Ravulizumab und Iptacopan?
S00: Und wo im Komplementsystem greifen sie an?
S00: Was macht sie so besonders?
S02: Ja, sehr gerne.
S02: Und das ist eine Erfolgsgeschichte.
S02: Denn als wir begonnen haben,
S02: als wir die Diagnose bei Ihnen festgestellt haben,
S02: oder die Kollegin der Kinder-Nephrologie,
S02: da hatten wir überhaupt keine spezifischen Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.
S02: Und das hat sich zum Glück geändert.
S02: Und da ist viel jetzt an Fortschritt zu verzeichnen.
S02: Und wir fangen immer an mit einer sogenannten Basis-Therapie.
S02: Und da ist die Idee, den Blutdruck gut einzustellen,
S02: aber auch die Nierendruckverhältnisse zu verbessern.
S02: Und das machen wir mit den ACE-Hemmern,
S02: Ramipril zum Beispiel,
S02: oder auch dem Medikament Losartan,
S02: was vorhin genannt wurde,
S02: was ein sogenannter Angiotensin-Rezeptor-Antagonist,
S02: das sind alles komplizierte Namen, machen dasselbe.
S02: Sie wirken nicht nur auf den Blutdruck im Allgemeinen,
S02: sondern wirken auch ganz speziell auf den Druck im Nierenfilter.
S02: Den wollen wir reduzieren,
S02: weil wir wissen,
S02: wenn wir den Druck im Nierenfilter verringern,
S02: dann schonen wir unsere Filtereinheit.
S02: Und auch das zweite Medikament,
S02: was angesprochen wurde, Forxiga,
S02: wirkt genau auch dort,
S02: auch da wissen wir seit wenigen Jahren,
S02: dass Patienten mit chronischen Nierenkrankheiten
S02: durch die Reihe von der Einnahme dieses Medikamentes profitieren.
S02: Das wirkt indirekt auf die Durchblutung des Nierenfilters
S02: und hilft uns auch dort,
S02: den Druck im System zu reduzieren.
S02: Also das zusammen ist eine sehr, sehr gute Kombination,
S02: ganz unabhängig davon,
S02: ob es jetzt eine C3-GN ist
S02: oder eine andere Nierenkrankheit.
S02: Daneben versuchen wir immer spezifisch zu agieren.
S02: und in der Vergangenheit hat man viele Sachen dann abgeklappert
S02: und ausgeschlossen.
S02: Ausgeschlossen, dass irgendwo eine chronische Infektion,
S02: eine chronische Entzündung ist.
S02: Da gucken wir nach bestimmten Viruserkrankungen,
S02: wir gucken nach bakteriellen Infekten,
S02: nach einem faulen Zahn,
S02: genauso wie wenn man irgendwo Plastik im Körper hat,
S02: weil man vielleicht mal einen Stent bekommen hat.
S02: Das betrifft nicht nur Kinder,
S02: auch Erwachsene zum Beispiel.
S02: Und wenn das alles ausgeschlossen ist
S02: und die Erkrankung ist diagnostiziert
S02: und sie schreitet fort,
S02: dann sagen wir,
S02: okay, das ist Ausdruck einer Aktivierung des Immunsystems.
S02: Die wollen wir unterdrücken.
S02: Und deswegen hat man damals mit dem Steroid angefangen.
S02: Deswegen hat man damals dieses CellCept.
S02: Das ist auch ein Medikament,
S02: was wir nehmen, um das Immunsystem zu unterdrücken.
S02: Das waren so die ersten Versuche,
S02: um die C3-GN zu behandeln.
S02: Mit mäßiggradigem Erfolg.
S02: Es gab ungefähr die Hälfte der Patienten,
S02: die darauf ansprechen,
S02: die eine Verbesserung ihrer Proteinurie zeigen,
S02: aber eben nicht alle.
S02: Und als dann klar wurde,
S02: okay, wir sehen hier eine Fehlsteuerung
S02: im Komplementsystem,
S02: wurden dann auch zunehmend Medikamente eingesetzt,
S02: die die Aktivierung des Komplementsystems hemmen.
S02: Und das Erste, was wir hatten,
S02: hieß Eculizumab,
S02: das für ganz andere Krankheiten quasi entwickelt wurde,
S02: was dann auch bei der C3-GN eingesetzt wurde.
S02: Und auch da war es so 50-50.
S02: Es gab ein paar Patienten,
S02: die angesprochen haben,
S02: aber genauso viele,
S02: die nicht angesprochen haben.
S02: Und die Weiterentwicklung des Eculizumab,
S02: das musste man alle zwei Wochen als Infusion geben,
S02: war dann das sogenannte Ravulizumab,
S02: von dem Sie gerade gesprochen haben,
S02: wo dann die Infusionsintervalle sehr viel größer waren.
S02: Ich nehme an,
S02: alle acht Wochen haben Sie das bekommen.
S01: Ich war zwischen allen sechs und acht Wochen hier, genau.
S00: Das hört sich auf jeden Fall entspannter an,
S00: als alle zwei Wochen erscheinen zu müssen.
S02: Richtig, genau.
S02: Und in der Vergangenheit war das aber so,
S02: muss man ganz klar sagen,
S02: dieses Medikament ist nicht zugelassen für diese Krankheit.
S02: Das ist zugelassen für andere Erkrankungen,
S02: darüber sollten wir auch mal drüber reden.
S02: Ja, gut zu hören.
S02: Aber für Erkrankungen,
S02: wo immer das Komplementsystem fehlgesteuert ist.
S02: Die C3-GN gehört nicht zu dieser sogenannten Zulassung des Medikamentes.
S02: Das heißt, auch dort wird man mit den Krankenkassen sprechen müssen
S02: und dann so Einzelfallentscheidungen,
S02: so nennen wir das, herbeiführen,
S02: dass man in Ihrem Fall,
S02: wo die Standardvorgehensweise nicht ans Ziel geführt hat,
S02: die Proteinurie war weiter da,
S02: man hat Sorge,
S02: dass die Nierenfunktion schlechter wird auf Dauer.
S02: Deswegen besteht die Notwendigkeit zu behandeln,
S02: dass die Krankenkassen dann bereit sind,
S02: diese, in Anführungszeichen,
S02: besondere Therapie dann auch möglich zu machen.
S02: indem sie die Kosten erstatten.
S02: Und das war ja zum Glück der Fall
S02: und deswegen haben die Kollegen angefangen damit.
S02: Sie haben jetzt dann angesprochen,
S02: eine schwerwiegende Komplikation,
S02: nämlich die Hirnhautentzündung, die Meningitis.
S02: Und das ist ein Riesenproblem.
S02: Denn, ich habe es angedeutet,
S02: das Komplementsystem ist ganz wichtig für unser Immunsystem
S02: und es ist vor allem wichtig für die Abwehr
S02: gegen sogenannte, ganz bestimmte Bakterien,
S02: Bakterien, die eine Hirnhautentzündung machen können
S02: oder eine schwere Lungenentzündung machen können.
S02: Meningokokken, Pneumokokken.
S02: Und wir können dafür impfen,
S02: aber der Impfschutz ist nicht 100%.
S02: Und das ist genau der Punkt.
S02: Man ist manchmal mit diesen Impfungen nicht schnell genug.
S02: Oder es gibt auch Stämme,
S02: wo die Impfung nicht so gut wirkt.
S02: Und ein Impfschutz ist nie 100%.
S02: Und selbst wenn wir eine Antibiotika-Prophylaxe geben,
S02: ist auch das nicht 100%.
S02: Und das ist eine der gefürchteten Nebenwirkungen dieser Therapie.
S02: Und das bedeutet auch,
S02: dass man dann diese Therapie sofort beenden muss.
S02: Und das Ravulizumab, genauso wie das Eculizumab,
S02: setzt relativ spät in der Blockade des Komplementsystems an.
S02: Und damit haben wir eine nahezu absolute Hemmung des Komplementsystems.
S02: Und da gibt es jetzt eben neue Entwicklungen.
S02: Und da ist das Iptacopan angesprochen worden.
S02: Das Fabhalta, Iptacopan ist der Wirkstoffname,
S02: was weiter, wenn man so möchte,
S02: in früheren Abständen des Komplementsystems ansetzt.
S02: Das heißt, wir haben nicht dieselbe absolute Hemmung,
S02: wie wenn wir Eculizumab oder Ravulizumab anwenden.
S02: Und Stand heute,
S02: wir haben damit noch nicht so viele Erfahrungen,
S02: es ist ein sehr, sehr neues Medikament noch,
S02: die Gefahr besteht weiterhin.
S02: Wir impfen weiterhin alle unsere Patienten,
S02: wir wiederholen es auch mehrmals.
S02: Aber zumindest scheint es im Hinblick auf diese schweren Infektionen
S02: tendenziell besser verträglich zu sein.
S02: Und deswegen war das die Überlegung dann zu sagen,
S02: okay, wir wechseln von dem einen auf das andere Medikament.
S00: Und das ist aber noch nicht so lange zugelassen,
S00: wie das Ravulizumab?
S00: Oder warum hat man damit nicht...
S02: Genau, genau.
S02: Das ist brandneu, wenn man so möchte.
S02: Also die Zulassung gibt es jetzt seit,
S02: oder die Daten sind jetzt vor knapp einem Jahr,
S02: anderthalb Jahren auf den Kongressen vorgestellt worden,
S02: sind veröffentlicht worden.
S02: Und dann gibt es immer eine gewisse Verzögerung,
S02: bis die Medikamente verfügbar werden.
S02: Und bei Ihnen haben wir ja den besonderen Weg gewählt,
S02: dass wir als erstes dann gesagt haben,
S02: okay, wir wollen jetzt nicht warten,
S02: bis wir das offiziell über die Apotheke bekommen können,
S02: sondern wir sind dann mit der Pharmafirma in den Austausch getreten
S02: und hatten das Glück,
S02: dass wir dann frühzeitig Zugriff auf dieses Medikament bekommen haben.
S02: Genau, da ist ein bisschen Bürokratie mit dabei,
S02: ein bisschen viel Bürokratie mit dabei.
S01: Sehr viel Bürokratie, ja.
S02: Aber es lohnt sich dann, diesen Weg zu bestreiten.
S00: Und das ist jetzt auch offiziell zugelassen?
S02: Jetzt ist es offiziell zugelassen und alle Patienten mit dieser Diagnose
S02: können dieses Medikament bekommen.
S02: Aber ganz wichtig ist, es ersetzt nicht die von mir beschriebene Basistherapie
S02: und es ersetzt auch nicht die Notwendigkeit,
S02: regelmäßig zu impfen, den Impfstatus zu überprüfen.
S02: Wir müssen immer wissen, Impfung ist nicht 100%-Schutz.
S02: Und deswegen müssen wir gut aufklären über die möglichen Symptome einer Hirnhautentzündung
S02: und auch mit den Patienten darüber sprechen,
S02: dass man dann auch frühzeitig Antibiotika auf Verdacht schon einnimmt,
S02: um zu verhindern, dass es zu eben einer schweren Hirnhautentzündung kommt.
S02: Die geht nicht immer gut aus.
S02: Und das ist unsere Sorge, die dahinter steckt.
S00: Ja, das hört sich auch bei dir, Kamil, nach einer sehr heftigen Erfahrung an
S00: mit deiner Hirnhautentzündung.
S00: Möchtest du das ein bisschen näher ausführen, wie das damals für dich war
S00: oder wie du das bemerkt hast?
S01: Ja, sehr gerne.
S01: Also, wie eben schon erwähnt, ich hatte ja diese Infusionstherapie mit Ravulizumab
S01: und zu Beginn lief das Ganze auch ganz gut.
S01: Es haben sich die Werte gebessert und ich habe mich auch eigentlich ganz gut gefühlt,
S01: bis dann irgendwann in der Nacht ich aufgestanden bin mit Schmerzen
S01: und ja, überall verteilt blaue Flecken an meinem Körper eben.
S01: Genau, dann haben wir gesagt, wir fahren sofort zum Arzt.
S01: Und dann sind wir halt eben zur Kinderärztin gefahren,
S01: weil wir dann nicht wussten, wie wir weitermachen sollen.
S01: Die hat dann aber gesagt, dass es eben Symptome einer Blutvergiftung sind.
S01: und dann haben wir gesagt, okay, vielleicht kann dann eben die Uniklinik,
S01: wo ich eigentlich Patient bin, uns weiterhelfen.
S01: Sind hier in die Notaufnahme gekommen und ich wurde dann direkt aufgenommen
S01: und in die Notaufnahme geschickt, beziehungsweise auf die Intensivstation
S01: und wurde dann noch rechtzeitig behandelt.
S01: Also, man konnte die Hirnhautentzündung rechtzeitig stoppen.
S01: Allerdings war es wirklich sehr knapp, so wie es mir erzählt worden ist.
S01: Ich kann mich leider nicht so gut daran erinnern.
S01: Ich weiß nur noch, dass ich hier angekommen bin, hingelegt worden bin
S01: und dann, als ich dann wieder wach war und alles vorbei gewesen ist.
S01: Genau.
S01: Also, es war ein Riesenschreck, kann man sagen.
S01: Ja, das glaube ich dir.
S01: Es verfolgt mich auch heute noch ein bisschen.
S01: Ich kann aber mittlerweile besser darüber reden.
S01: Aber ja, es ist so gekommen, wie es ist.
S00: Vielen Dank, dass du auch so offen mit uns darüber sprichst
S00: und auch die Zuhörenden werden das sehr schätzen,
S00: dass du da von deinen eigenen Erfahrungen so berichtest.
S00: Wenn wir jetzt über die Hirnhautentzündung reden, die Meningitis,
S00: würde man jetzt erst mal direkt daran denken,
S00: okay, es ist was im Gehirn.
S00: Man hat Symptome wie Kopfschmerzen oder irgendwas,
S00: was einen auch aufs Gehirn bringt.
S00: Jetzt hast du jetzt gerade von Flecken auf deiner Haut erzählt.
S00: Paul, wie kann man das in Zusammenhang bringen?
S02: Ja, das kann ein Zeichen sein,
S02: einer schon fortschreitenden Entzündungsreaktion.
S02: Und da ist Gefahr im Verzug.
S02: Und da müssen wir sehr schnell agieren.
S02: Im Rahmen dieser schweren Entzündung
S02: ist es nicht begrenzt nur auf die Hirnhäute.
S02: Also das sind so, wenn man so möchte,
S02: so eine ganz dünne Schicht, die unser Gehirn auskleidet,
S02: die sich dann entzünden kann.
S02: Sondern das kann fortschreiten zu einer richtigen Blutvergiftung.
S02: Wir nennen das Sepsis.
S02: Und das ist potenziell lebensbedrohlich.
S02: Und solche blauen Flecken, die sich entwickeln können,
S02: sind ein Zeichen darauf,
S02: dass hier wirklich der ganze Körper beeinträchtigt ist
S02: und dass hier schon ein Infektions-,
S02: ein Entzündungsgeschehen am Köcheln ist,
S02: was fortschreitet und zum Flächenbrand wird.
S02: Und deswegen müssen wir dann schnell mit Antibiotika
S02: und speziellen Medikamenten,
S02: ich nehme auch an, du bist auf die Intensivstation gekommen,
S02: also das nehmen wir sehr, sehr ernst
S02: und müssen das dann sehr schnell, sehr aggressiv behandeln.
S00: Das waren auch Meningokokken bei dir,
S00: die da gefunden worden sind?
S01: Genau, genau.
S00: Okay, da können wir euch auch gerne mal,
S00: wenn euch das interessiert,
S00: ein Bild unten in die Shownotes packen,
S00: wie solche Flecken aussehen.
S00: Da haben wir auch einen bestimmten Namen,
S00: die man auch während seines Studiums rauf und runter lernen muss.
S00: Das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom nennt sich das.
S00: Könnt ihr euch gerne unten anschauen.
S00: Packen wir euch ein Bild mit rein.
S00: Danke für diese wichtigen Hinweise, auch an dich, Paul.
S00: Das zeigt nochmal, wie wichtig das Thema Impfung in solchen Situationen auch möglich sein kann,
S00: im Versuch, solche Situationen dann zu verhindern.
S00: Ist es so, dass generell schwere Infektionen gehäuft sind
S00: oder gibt es einen Fokus auf die Meningitis speziell?
S00: Also, wie kommt das?
S02: Genau, also es sind vor allem die sogenannten bekapselten Bakterien.
S02: Also Bakterien, die eine Kapsel um sich herum bilden.
S02: Dazu gehören die Meningokokken, dazu gehören die Pneumokokken.
S02: Haemophilus influenzae gehört auch mit dazu.
S02: Das sind die, vor denen wir, wenn man so möchte,
S02: ich will nicht sagen Angst, aber wir haben da die größten Sorgen.
S02: Dafür müssen wir gucken, dass wir das verhindern.
S02: Und das können wir, indem wir impfen, aber nicht nur einmal,
S02: sondern regelmäßig alle zwei, drei Jahre die Impfung wieder auffrischen.
S02: Die Krux liegt so ein bisschen im Detail,
S02: denn wir hemmen ja das Komplementsystem mit diesen spezifischen Medikamenten.
S02: und wir wissen aus einigen Studien,
S02: dass die Impfantwort nicht so gut ist unter einer Hemmung des Komplementsystems,
S02: wie wenn ich keine Komplementhemmer nehme.
S02: Das heißt, die Impfantwort ist niemals 100 Prozent
S02: und sehe ich jetzt in diesem Fall noch ein bisschen schlechter,
S02: weil wir das Komplementsystem hemmen.
S02: Wir können auch nicht für jede dieser Wirkstoffe die Impfantwort messen.
S02: Das heißt, wir wissen auch nicht immer, ob die Impfung jetzt erfolgreich war
S02: und quasi das Immunsystem trainiert wurde
S02: oder ob hier der seltene Fall eines sogenannten Impfversagens vorliegt.
S02: Das können wir nicht sagen.
S02: Und hier trifft dann wirklich, sagt der Grundsatz,
S02: so viel hilft viel.
S02: Wir impfen immer wieder, aber wir belassen es nicht dabei.
S02: Wir müssen gut aufklären über die Symptome,
S02: dass man das ernst nimmt und nicht übergeht.
S02: Und da gibt es unterschiedliche Strategien.
S02: Manchmal, gerade bei Kindern oder wenn wir merken,
S02: dass Menschen mit diesem System nicht so gut zurechtkommen,
S02: gibt man auch teilweise Antibiotika dauerhaft,
S02: um einen Schutz zu erzielen.
S02: Gerade bei Kindern, wir alle wissen das im Kindergarten,
S02: die haben ständig Infekte.
S02: Und wenn sie so eine Medikation einnehmen müssen,
S02: kann das sinnvoll sein, dauerhaft Antibiotika zu nehmen
S02: oder zumindest über einen längeren Zeitraum.
S02: Oder wir besprechen ein sogenanntes Pill-in-the-Pocket-Prinzip,
S02: dass man also eine kleine Packung Antibiotika mit nach Hause bekommt,
S02: die man dann im Fall der Fälle, wenn man Fieber hat, Kopfschmerzen hat,
S02: einnimmt, um sich dann aber sofort bei uns vorzustellen,
S02: damit wir dann gucken, was steckt tatsächlich dahinter.
S00: Ja, das fühlt sich ja sehr sinnvoll an.
S00: Also was sind da die Symptome, auf die man als Betroffener oder Betroffene selbst
S00: oder auch als Eltern erkrankter Kinder achten muss?
S02: Das sollten wir jetzt Kamil fragen.
S02: Nein, also Spaß beiseite.
S02: Also es sind die typischen Sachen wie Fieber, Übelkeit, Kopfschmerzen,
S02: wenn man plötzlich Veränderungen merkt, dass man lichtscheu wird,
S02: dass helles Licht einem schmerzt.
S02: Das sind solche Warnsignale, die wir dann sehr ernst nehmen.
S02: Kamil, was hat man Ihnen gesagt?
S01: Genau, also ich habe auch diese Pill-in-the-Pocket tatsächlich mit nach Hause bekommen
S01: nach der Sepsis beziehungsweise der Meningitis.
S01: und mir wurde da eben auch gesagt, wie Sie jetzt gerade schon meinten,
S01: dass ich darauf achten soll.
S01: Habe ich verstärkt Fieber, verstärkte Kopfschmerzen?
S01: Tatsächlich aber auch so Sachen wie Schüttelfrost oder tauchen wieder Flecken auf der Haut auf.
S01: Das sind so Dinge, auf die ich achten soll.
S01: Und genau, bisher ist es aber soweit ruhig geblieben, was die Sache betrifft.
S01: Super, sehr schön.
S01: Ich hoffe, es bleibt auch dabei.
S01: Das wünsche ich keinem.
S01: Das war wirklich keine schöne Erfahrung.
S00: Ja, das kann ich mir vorstellen.
S00: Um nochmal kurz auf ein weiteres Thema zurückzukommen.
S00: Kamil, du hast ja auch den Wechsel von der Kinder-Nephrologie in die Erwachsenenmedizin erlebt.
S00: Wie war das für dich?
S01: Ja, natürlich muss man sich erstmal ein bisschen umgewöhnen.
S01: Neues Personal, andere Menschen.
S01: Aber an sich, ich wurde gut aufgenommen.
S01: Ich fühle mich weiterhin gut aufgenommen.
S01: Und das war auch nicht wirklich kompliziert.
S01: Also das war eigentlich wie in einem Schwung.
S01: Man hat eben nicht mehr beim Hausarzt die Überweisung für die Kinder-Nephrologie geholt,
S01: sondern für die Erwachsenen-Nephrologie.
S01: Hat sich dann hier eben vorgestellt.
S01: Und genau, ist dann mit der Therapie einfach fortgeführt.
S00: Ja, danke für diese Einblicke.
S00: Das zeigt auch nochmal, wie wichtig ein guter Übergang ist.
S00: Und dass es auch eine Situation darstellt,
S00: von der sich wahrscheinlich auch viele Jugendliche
S00: und auch vor allem auch die Eltern Sorgen machen,
S00: wenn es zu diesem Moment kommt.
S00: Gebt uns doch gerne in den Kommentaren eine Rückmeldung zu dem Thema.
S00: Wenn hier Interesse besteht, können wir auch gerne im Verlauf
S00: eine eigene Folge hier zu diesem Thema aufzeichnen.
S00: Kamil, wenn du jetzt zurückblickst,
S00: wie sehr bestimmt die Erkrankung heute deinen Alltag?
S00: Gibt es etwas, was dir hilft, mit der Diagnose zurechtzukommen?
S01: Also allgemein bin ich natürlich jetzt in meinem Alltag nicht wirklich beeinträchtigt,
S01: außer dass ich Medikamente zu mir nehmen muss.
S01: Und natürlich auch auf so Sachen wie Hygiene etwas mehr achten muss,
S01: dadurch, dass mein Immunsystem eben durch die Therapie geschwächt ist.
S01: Aber allgemein kann ich mein Leben so leben, wie jeder andere Mensch auch.
S01: Nur halt mit vielleicht etwas mehr Vorsicht, was ja gar nicht schlecht ist.
S01: Natürlich kommen dann auch Sachen dazu, dass man nicht,
S01: wenn man mit seinen Freunden unterwegs ist zum Beispiel, mit trinken kann.
S01: Also man verzichtet auf Sachen wie Alkohol oder auch andere Substanzen,
S01: sage ich jetzt einfach mal.
S01: Aber an sich, ich kann uneingeschränkt Sport machen.
S01: Ich kann uneingeschränkt in den Urlaub fahren.
S01: Ich muss dann halt einfach immer nur darauf achten, dass die Medikamenteneinnahme stimmt.
S01: Aber ansonsten mache ich das Beste daraus, quasi einen normalen Alltag in meinem Leben zu führen.
S00: Ja, das ist sehr schön zu hören und macht auch vielen Mut,
S00: die wahrscheinlich auch Sorge haben davor, dass das nicht mehr der Fall ist
S00: und man nicht mehr die Möglichkeiten hat, wenn man so eine Diagnose bekommt.
S02: Genau, und ich glaube, das ist, wie gesagt, auch ein tolles Beispiel,
S02: weil genau da wollen wir ja hin.
S02: Das wollen die Kollegen in der Kinderklinik, genauso wie wir in der Erwachsenen-Nephrologie auch,
S02: dass man mit diesen seltenen Nierenkrankheiten trotzdem noch ein weitgehend normales Leben führt,
S02: dass man am Alltag teilnehmen kann.
S02: Und da helfen uns natürlich diese neuen Therapien enorm.
S02: Das Ravulizumab war ein Riesenschritt vorwärts.
S02: Nur noch alle acht Wochen eine Infusion im Vergleich zu alle zwei Wochen.
S02: Es gibt Riesenmöglichkeiten für die Patienten, die diese Medikamente bekommen.
S02: Genauso jetzt mit dem Fabhalta, das sie weitestgehend selbstständig einnehmen können.
S02: Das sind tolle Entwicklungen in der Nephrologie in den letzten 15 Jahren und es ist wirklich Innovation.
S02: Also es geht da wirklich voran und gerade für diese sehr seltenen Nierenkrankheiten haben wir jetzt tolle neue Optionen.
S00: Ja, dein Fall macht auch total Mut, gerade wenn man so eine seltene Diagnose hat und auch Rückschläge erlebt,
S00: so wie du sie erlebt hast mit deiner Meningitis, dass du jetzt trotzdem so hier vor uns sitzt
S00: und dein Leben so lebst, wie du es leben möchtest.
S00: Das macht sehr viel Mut.
S00: Vielen Dank, dass du so offen auch mit unseren Zuhörenden darüber gesprochen hast.
S02: Genau, und es gibt noch einen wichtigen letzten Punkt.
S02: Wir haben ja hier so diese Besonderheit, dass es uns damals nicht gelungen ist, diesen Antikörper nachzuweisen.
S02: Uns ist es nicht gelungen, eine Genmutation, eine Veränderung im Erbgut nachzuweisen.
S02: Also letztendlich wissen wir immer noch nicht, wo kommt es her, warum hat sich das entwickelt.
S02: Und da ist es, glaube ich, ganz wichtig, dass man gerade bei diesen genetischen Untersuchungen,
S02: das ist nicht nur einmal zu machen, sondern das machen wir immer wieder.
S02: Also alle drei, vier Jahre, da tut sich so viel.
S02: Unsere Methoden werden immer genauer und wir sehen immer nur das, nach dem wir suchen.
S02: Deswegen ist es wichtig, dass wir da am Ball bleiben und dass man dann im Zweifel auch noch mal manche Diagnostik wiederholt,
S02: damit man dann später vielleicht doch die Nadel im Heuhaufen findet und sagen kann,
S02: okay, in Ihrem besonderen Fall ist das die zugrunde liegende Ursache.
S02: Ich kann nicht versprechen, dass es uns gelingt, aber es macht deutlich,
S02: dass halt so eine enge Anbindung auch in den jetzt kommenden Erwachsenenjahren sehr sinnvoll ist,
S02: dass wir eben gemeinsam auf diesem Weg weitergehen.
S01: Die Hoffnung besteht auf jeden Fall weiterhin.
S00: Ich glaube, da kommst du auch gerade her von der Humangenetik, hast du erzählt eben in unserem Vorgespräch.
S01: Genau.
S01: Ja, super.
S00: Ja, vielen Dank, dass du so offen darüber gequatscht hast, Kamil.
S00: Und auch Paul an dich, vielen Dank für die vielen tollen Erklärungen.
S00: Es hat wirklich sehr geholfen, dieses komplexe Thema etwas besser zu verstehen.
S00: Wenn euch diese Folge gefallen hat, lasst uns gerne eine Bewertung da und teilt sie mit anderen,
S00: die das Thema rund um die Niere auch interessieren könnte.
S00: Wenn ihr Fragen habt, schreibt sie einfach in die Kommentare.
S00: Und wenn ihr auch von einer Nierenerkrankung betroffen seid und eure Geschichte teilen wollt,
S00: nehmt gerne über unsere Website Kontakt zu uns auf.
S00: Den Link habe ich euch auch unten in die Shownotes gepackt.
S00: So, das war's dann auch schon von uns.
S00: Vielen Dank euch beiden und bis bald.
S01: Ja, vielen Dank für die Einladung.
S01: Danke, dass ich hier sein durfte.
S01: Ja, vielen Dank fürs Kommen.
S01: Bis bald.
S00: Tschüss.
S01: Tschüss.
S01: Tschüss.
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