Rund um: Die Immunsuppression

Shownotes

In dieser Folge sprechen wir mit der erfahrenen Fachapothekerin Carolin Schwind über Medikamente, die für viele lebenswichtig sind – und gleichzeitig einige Herausforderungen mit sich bringen: Immunsuppressiva.

Ob nach einer Nierentransplantation oder bei Autoimmunerkrankungen – Immunsuppressiva helfen, das Immunsystem zu kontrollieren und Organe zu schützen. Doch was genau tun diese Medikamente? Welche Nebenwirkungen können auftreten? Und was muss man bei der Einnahme im Alltag beachten? Wir erklären die wichtigsten Medikamentengruppen und geben praktische Tipps für den Alltag: von Grapefruit bis Sonnenschutz, von Tablettenbox bis Impfberatung – leicht verständlich und alltagsnah. Auch Angehörige erfahren, wie sie unterstützend wirken können.

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00:00:00: Und je nachdem setzt sich dann so eine Grapefruit durch und unser Tacrolimus wird dann eben nicht mehr so abgebaut, wie es abgebaut werden soll.

00:00:06: Das heißt, wir haben hier ein Risiko für eine Überdosierung.

00:00:10: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Podcast-Folge rund um die Niere.

00:00:13: Heute sprechen wir über ein Thema, das für viele Menschen nach einer Nierentransplantation oder mit bestimmten Autoimmunerkrankungen zum Alltag gehört.

00:00:20: Die Immunsuppression.

00:00:22: Und ganz konkret über die Medikamente, die dabei eingesetzt werden, sogenannte Immunsuppressiva.

00:00:27: Was machen diese Medikamente eigentlich genau und warum sind sie so wichtig?

00:00:31: Was muss man im Alltag beachten, zum Beispiel beim Thema Infektionen oder Nebenwirkungen oder wenn man mal eine Tablette vergisst?

00:00:38: Diese und viele weitere Fragen klären wir heute gemeinsam und ich freue mich riesig, dass ich heute wieder eine Expertin bei mir an meiner Seite habe.

00:00:45: Und zwar ist das heute Carolin Schwind.

00:00:48: Sie ist Fachapothekerin für klinische Pharmazie und betreut als Stationsapothekerin unsere Nephrologische Normalstation.

00:00:54: Liebe Caro, schön, dass du da bist.

00:00:56: Ja, hallo, vielen Dank für die Einladung.

00:00:58: Um das Thema Immunsuppression etwas besser einordnen zu können, finde ich es vorher wichtig zu verstehen,

00:01:03: was passiert eigentlich in unserem Körper, wenn eine neue Niere transplantiert wird

00:01:07: oder wenn das Immunsystem aus dem Gleichgewicht gerät wie bei bestimmten Autoimmunerkrankungen.

00:01:13: Und zwar ist es so, unser Immunsystem ist eigentlich dafür da, uns vor Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren zu schützen.

00:01:19: Es erkennt, was körpereigen ist, also zu uns gehört und was fremd ist.

00:01:24: Wenn wir eine neue Niere transplantiert bekommen, dann sieht das Immunsystem dieses neue Organ zunächst als etwas Fremdes an,

00:01:30: auch wenn es lebenswichtig für uns ist.

00:01:32: Und das Immunsystem will dann dagegen ankämpfen.

00:01:35: Es schickt Abwehrzellen los, um die neue Niere zu bekämpfen.

00:01:38: Das nennt man dann eine Abstoßungsreaktion.

00:01:41: Auch bei bestimmten Nierenerkrankungen, wie zum Beispiel beim Lupus oder einer Glomerulonephritis,

00:01:47: richtet sich das Immunsystem manchmal fälschlicherweise gegen den eigenen Körper.

00:01:51: Das nennt man dann Autoimmunerkrankung.

00:01:54: In beiden Fällen, also nach einer Transplantation oder bei Autoimmunerkrankungen, brauchen wir Medikamente,

00:01:59: die das Immunsystem ein Stück weit bremsen.

00:02:01: Das sind dann die Immunsuppressiva, über die wir heute sprechen wollen.

00:02:05: Liebe Caro, welche Immunsuppressiva sind denn bei Nierenerkrankungen oder nach einer Transplantation am häufigsten im Einsatz?

00:02:13: Genau, das sind Arzneimittel wie Tacrolimus, Ciclosporin, Mycophenolat und Cortison.

00:02:18: Und wie unterscheiden sich diese Medikamente, zum Beispiel in ihrer Wirkung?

00:02:22: Warum brauchen wir so viele verschiedene?

00:02:24: Also ich teile sie jetzt mal so in drei Gruppen ein.

00:02:27: Zum einen gibt es dann die sogenannten Calcineurin-Inhibitoren.

00:02:30: Das sind dann Arzneimittel mit dem Wirkstoff Tacrolimus oder Ciclosporin.

00:02:35: Tacrolimus wird häufig bei Transplantationen angewendet, auch bei Nierentransplantationen,

00:02:39: weil die da zum Beispiel auch weniger Abstoßungsreaktion eben zeigen.

00:02:44: Und Ciclosporin ist ein Immunsuppressiv, das häufig auch bei einem nephrotischen Syndrom zugenommen wird,

00:02:48: weil es da eben auch zugelassen ist.

00:02:50: Und ich habe eben gesagt, das sind Calcineurin-Inhibitoren, so nennen wir die dann.

00:02:54: Das ist Calcineurin, das ist ein Enzym, das für die Bildung von T-Zellen wichtig ist.

00:02:58: Also T-Zellen, das sind ja dann die Zellen im Immunsystem, die dann Fremdmaterial detektieren, erkennen.

00:03:04: Genau, und für diese Bildung von diesen T-Zellen gibt es eine Reaktionskaskade

00:03:08: und da hemmen dann eben diese Calcineurin-Inhibitoren.

00:03:12: Dann gibt es die Gruppe der Antimetabolite.

00:03:15: Darunter fallen dann zum Beispiel Mycophenolat, aber auch Methotrexat oder Azathioprin.

00:03:20: Methotrexat wird auch zum Beispiel häufig bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt.

00:03:23: Und die hemmen eben die Proliferation von B- und T-Zellen, also die Zellteilung dieser Zellen.

00:03:30: B-Zellen, das sind auch Zellen des Immunsystems und kann man sich so als Waffenschmiede des Immunsystems vorstellen.

00:03:36: Die bilden dann eben Antikörper, aber leider auch eben Antikörper zum Beispiel gegen eine neue Niere.

00:03:40: Deswegen zum Beispiel auch häufig Mycophenolat dann eingesetzt wird bei mirentransplantierten Patientinnen.

00:03:46: Und dann gibt es noch die Gruppe der Glukokortikoide.

00:03:50: Glukokortikoide, das sind auch körpereigene Hormone, die werden in der Nebenniere gebildet

00:03:54: und sind sozusagen die innere Bremse des Immunsystems.

00:03:57: Also wenn der Körper überreagiert, beispielsweise auch bei einer Allergie oder einer starken Entzündung,

00:04:02: hilft es eben diese Reaktion zu stoppen oder abzuschwächen.

00:04:05: Zum einen hemmen die auch die Produktion von entzündungsfördernden Stoffen

00:04:08: und gleichzeitig fördern sie die Bildung von entzündungshemmenden Stoffen.

00:04:11: Deswegen werden sie eben auch breit angewendet, Asthma zum Beispiel, Rheuma, Hautausschlagen

00:04:17: oder eben auch Organtransplantation.

00:04:20: Okay, das heißt, es gibt diese vor allem drei großen verschiedenen Gruppen,

00:04:23: die wir in Kombination einsetzen.

00:04:25: Die einen spezifizieren sich eher auf die T-Zellen, die anderen eher auf die B-Zellen,

00:04:29: die beides verschiedene Zellen unseres Immunsystems sind

00:04:32: und das Cortison als dritte Gruppe mit dabei, was alles auch so ein bisschen breiter mit abdeckt.

00:04:38: Gerade bezüglich Cortison gibt es leider immer wieder Betroffene,

00:04:42: die mit Nebenwirkungen zu tun haben und vor allem eher die Nebenwirkungen von Cortison

00:04:47: sehr berüchtigt sind und auch oft sehr gefürchtet sind.

00:04:50: Kannst du diese für unsere Zuhörenden ein bisschen besser einordnen?

00:04:53: Also welche Nebenwirkungen von Cortison sind wirklich besonders häufig

00:04:57: und was kann man dagegen machen?

00:04:59: Zunächst einmal, Glukokortikoide sind ja körpereigene Hormone,

00:05:02: wie ich eben ja schon gesagt habe, die sind wichtig und spielen im Stoffwechsel,

00:05:07: bei Entzündungsprozessen, in der Stressregulation auch eine wichtige Rolle.

00:05:10: Und wenn man die jetzt für eine kurze Zeit auch in größeren Mengen anwendet,

00:05:15: sind die eigentlich, kann man auch fast schon sagen, praktisch nebenwirkungsfrei.

00:05:20: Längerfristig eingenommen, da kann es dann eben auch zu Nebenwirkungen kommen,

00:05:25: wenn man halt gewisse Spielregeln nicht beachtet.

00:05:27: Das ist halt dieses sogenannte Cushing-Syndrom, das ist das, was viele fürchten,

00:05:32: was auch erstmal sehr beängstigend klingt.

00:05:35: Also man kennt ja dieses runde, aufgedunstene Gesicht, auch Vollmondgesicht genannt.

00:05:40: Fettansammlung vor allem so im Bauch und Nacken, während die Extremitäten,

00:05:43: also Arm und Beine eher dünn bleiben.

00:05:45: Die Haut wird auch blasser, dünner.

00:05:48: Man hat eine schlechtere Wundheilung.

00:05:50: Ja, Muskelschwäche, Bluthochdruck, Blutzucker, das sind auch dann Symptome,

00:05:54: die da auftreten. Und ich sagte halt eben, ja, man muss ein paar Spielregeln beachten.

00:05:59: Man kann zum Beispiel auf Cortison-Derivate zurückgreifen,

00:06:03: wie Prednison und Prednisolon.

00:06:05: Das ist ja das, was häufig auch in der Therapie dann eingesetzt wird,

00:06:08: weil die einfach eben ein geringeres Cushing-Syndrom-Potenzial haben.

00:06:13: Und generell guckt man eben auch, dass man in einer langfristigen Therapie,

00:06:17: in einer Langzeittherapie auch in einer möglichst niedrigen Dosis bleibt.

00:06:20: Also es gibt so eine Cushing-Schwelle. Das ist dann die Dosis,

00:06:24: ab der dann so ein Cushing-Syndrom auftreten kann.

00:06:26: Und man muss natürlich gucken, dass man halt möglichst eben drunter bleibt.

00:06:30: Wie gesagt, wenn man jetzt bei einem akuten Schub oder jetzt frisch transplantiert,

00:06:34: da braucht man eine höhere Dosis.

00:06:36: Das ist kurzfristig jetzt aber nicht so dramatisch.

00:06:39: Und wenn man dann irgendwie das Gefühl hat, man ist irgendwie so aufgedunsen,

00:06:43: irgendwelche Wasseransammlungen hat, dann muss man eben auch überlegen,

00:06:45: das kann auch ein Symptom der Grunderkrankung sein.

00:06:47: Wir hatten das ja in älteren Folgen, das nephrotische Syndrom.

00:06:51: Das war ja auch so ein typisches Symptom von dieser Erkrankung.

00:06:55: Genau, da ist es wichtig zu unterscheiden, was ist Symptom einer Erkrankung

00:06:57: und was ist jetzt wirklich Nebenwirkung vom Cortison.

00:07:00: Also so wie ich das jetzt verstanden habe, ist es auf kurze Zeit in hohen Dosierungen,

00:07:04: gerade am Anfang einer Nierentransplantation oder in einem Schub einer Autoimmunerkrankung,

00:07:10: so dass es tatsächlich auch mal Blutzuckerentgleisungen machen kann,

00:07:12: aber ansonsten wir jetzt keine dieser gefürchteten Nebenwirkungen an sich fürchten müssen.

00:07:18: Und solange wir es über längere Zeit nehmen, ist es einfach wichtig,

00:07:20: dass wir die Cushing-Schwelle, also diese bestimmte Dosis, unterschreiten.

00:07:25: Und auf jeden Fall unter diesen, bei Prednisolon sind es, glaube ich, 7,5 Milligramm, richtig?

00:07:29: Genau, ja.

00:07:30: Das ist ja öfter so, dass gerade bei Langzeit-Nierentransplantierten

00:07:33: wir auf einer Prednisolondosis von 5 Milligramm stehen bleiben,

00:07:37: dass wir hier diese Schwelle auch nicht überschreiten und es hier zu den Nebenwirkungen auch hoffentlich nicht kommt.

00:07:43: Wenn ihr trotzdem das Gefühl habt, dass es hier etwas mit Cortison und seinen Nebenwirkungen im Spiel sein könnte,

00:07:49: meldet euch einfach gerne direkt bei eurem Behandlungsteam, dann kann man da zusammen nochmal draufschauen.

00:07:53: Genau, und das mit der Dosis, das ist ja auch mit ein Grund,

00:07:57: warum man jetzt zum Beispiel auch mehrere Immunsuppressiva nehmen muss.

00:08:00: Also jetzt nicht nur Cortison, sondern eben auch diese drei Gruppen ja im Prinzip auch kombiniert.

00:08:05: Die Calcineurin-Inhibitoren, die Antimetabolite und das Cortison.

00:08:09: Zum einen eben, weil ich habe ja vorhin die unterschiedlichen Wirkmechanismen erklärt,

00:08:12: dadurch kann man eben auch den Effekt erhöhen.

00:08:14: Zum anderen eben auch, weil man eben bei den einzelnen Substanzen dann in der Dosis auch niedriger,

00:08:18: zumindest in der Langzeittherapie dann irgendwann niedriger sein muss.

00:08:21: Am Anfang braucht man ja schon höhere Dosen nach frischen Transplantationen.

00:08:24: Genau, ein anderer wichtiger Grund ist die Vermeidung von Resistenzen oder Therapieversagen.

00:08:28: Das Immunsystem ist halt leider, oder kann halt leider in der Zeit weniger empfindlich auf einzelne Substanzen reagieren

00:08:34: und durch die Kombi senken wir das Risiko dann.

00:08:37: Okay, also die Kombi ist nicht nur wichtig, weil es drei verschiedene Wirkmechanismen sind,

00:08:40: sondern weil wir dadurch auch die Dosierung der einzelnen Medikamente deutlich reduzieren können.

00:08:44: Habe ich das richtig verstanden?

00:08:45: Unter anderem auch, genau.

00:08:47: Und wie wichtig ist es, die Medikamente immer genau zur gleichen Zeit einzunehmen?

00:08:51: Ja, das ist schon sehr wichtig.

00:08:53: Wir haben bei Immunsuppressiva, haben wir es mit Arzneimitteln zu tun,

00:08:57: die, ja man kann sie als sensible Arzneimittel vielleicht bezeichnen,

00:09:01: weil wir da einen gewissen Wirkspiegel brauchen.

00:09:03: Wir haben eine, wir sagen immer, enge therapeutische Breite dazu,

00:09:07: weil wir halt gucken müssen, dass wir nicht zu hoch mit der Dosis sind.

00:09:10: Dann drohen halt eben auch Nebenwirkungen.

00:09:12: Wenn wir aber zu niedrig mit der Dosis sind,

00:09:15: dann haben wir das Risiko, dass wir hier eine Abschlussungsreaktion zum Beispiel haben.

00:09:18: Das heißt, wir müssen immer gucken, dass wir genau in so einem Zielbereich sind,

00:09:22: dass wir einen konstanten Wirkspiegel haben.

00:09:24: Eben nicht diese Schwankungen, die dann eben zu den Nebenwirkungen führen kann

00:09:28: oder eben zu den negativen Reaktionen.

00:09:31: Genau, und zum anderen ist es eben wichtig,

00:09:33: dass wir den Wirkspiegel auch kontrollieren können,

00:09:35: damit eben das Behandlungsteam auch weiß, wo stehen wir gerade,

00:09:38: sind wir schon im therapeutischen Bereich.

00:09:40: Und um das richtig einschätzen zu können,

00:09:41: muss das auch eben zur gleichen Zeit immer eingenommen werden.

00:09:44: Und was eben auch nochmal ein wichtiger Punkt ist,

00:09:47: ist, wenn man das immer zur gleichen Zeit nimmt,

00:09:50: schafft man eine Routine.

00:09:51: Und eine Routine hilft auch dabei,

00:09:53: dass man dann eben die Einnahme nicht vergisst

00:09:55: und hilft im Alltag da auch viel.

00:09:57: Genau, hier ist ja vor allem auch das Tacrolimus wichtig zu nennen,

00:10:00: was wir dann auch als Behandlungsteam am Anfang sehr, sehr engmaschig kontrollieren,

00:10:04: dass wir sehen, wann wir im therapeutischen Bereich sind,

00:10:07: dass wir nicht drüber oder drunter sind.

00:10:08: Und auch auf lange Zeit, wenn das irgendwann in einem wirklich stabilen Zielspiegel ist

00:10:13: und man schon lange transplantiert ist,

00:10:15: kann man hier die Abstände der Spiegelkontrollen auch erweitern.

00:10:18: Was passiert denn, wenn man mal eine Dosis vergisst?

00:10:22: Und ich habe natürlich hier gerade gesagt,

00:10:23: es ist schon wichtig, dass man die Arzneimittel wirklich regelmäßig einnimmt,

00:10:27: damit man dann eben, wenn man eine Dosis vergisst,

00:10:29: nicht auf einmal irgendwie aus diesem therapeutischen Bereich rausrutscht.

00:10:33: Wichtig ist, gucken Sie immer im Beipackzettel nach.

00:10:37: Da gibt es immer einen Passus, da steht,

00:10:38: was muss ich tun, wenn ich eine Einnahme vergessen habe.

00:10:41: Das steht bei jedem Arzneimittel da.

00:10:43: Und bei Immunsuppressiva ist es auch eben wichtig,

00:10:46: dass man dann nicht irgendwie einfach dann jetzt eine doppelte Dosis nimmt.

00:10:49: Sich jetzt denkt, oh, ich habe es jetzt vergessen,

00:10:50: dann nehme ich halt zwei.

00:10:52: Das sollte man eben tunlichts nicht tun,

00:10:54: sondern wirklich gucken, was steht da.

00:10:56: Und ja, wie viel Zeit ist es gerade vergangen?

00:10:58: Kann ich noch was nachnehmen?

00:11:00: Oder sollte ich wieder bis zur nächsten Gabe warten?

00:11:02: Wenn Sie jetzt irgendwie frisch transplantiert sind,

00:11:05: dann ist es da vielleicht auch nochmal wichtig,

00:11:06: dass wenn Sie eine Dosis wirklich vergessen haben,

00:11:08: der Behandlungsteam kontaktieren,

00:11:09: dass man dann eben nochmal genauer nachgucken kann.

00:11:11: Oder wenn Sie sich halt irgendwie unsicher sind.

00:11:13: Okay, also auf jeden Fall im Beipackzettel nachschauen

00:11:15: und bei irgendwelchen Zweifeln immer Rücksprache

00:11:17: mit dem Behandlungsteam halten.

00:11:20: Gut, dann würde ich einmal zum Thema weitergehen,

00:11:23: nämlich dem Alltag mit Immunsuppression.

00:11:26: Das ist gerade ein Thema,

00:11:28: was viele unserer betroffenen Patientinnen und Patienten

00:11:31: sehr interessiert.

00:11:32: Was bedeutet Immunsuppression für mich eigentlich im Alltag?

00:11:35: Zum Beispiel bezüglich Infektanfälligkeit.

00:11:38: Kann ich mich impfen lassen?

00:11:40: Muss ich irgendwas beachten bei meiner Ernährung?

00:11:42: Und kann ich überhaupt verreisen,

00:11:45: wenn ich immunsupprimiert bin?

00:11:46: Kannst du vielleicht auf diese sehr vielen Themen,

00:11:49: die ich gerade angesprochen habe,

00:11:51: uns ein bisschen erläutern und erklären,

00:11:53: wie man sich hier im Alltag am besten zu verhalten hat

00:11:55: und worauf man am besten achten muss?

00:11:56: Ja, sehr gerne.

00:11:57: Du hast es ja eingangs ja auch schon gesagt,

00:11:59: das Immunsystem soll ja Fremdkörper erkennen,

00:12:01: soll uns schützen und wird natürlich dann auch,

00:12:04: wenn es gehemmt ist,

00:12:06: haben wir natürlich auch eine höhere Infektanfälligkeit.

00:12:08: Das geht natürlich einher mit der Hauptwirkung.

00:12:13: Wir können halt irgendwie gucken,

00:12:15: dass wir uns möglichst schützen dann.

00:12:16: Ja, zum einen eben auch durch eine gute eingestellte Dosis,

00:12:20: Handhygiene zum Beispiel,

00:12:21: dass man sich regelmäßig auch die Hände wäscht.

00:12:23: Also ich meine, wir kennen das ja auch alle jetzt noch von Corona,

00:12:25: dass es vielleicht auch hilfreich sein kann,

00:12:27: eine Maske zu tragen,

00:12:28: wenn man irgendwie in einer vollen Straßenbahn sitzt.

00:12:30: Gerade wenn man jetzt gerade ein frisches Organ hat,

00:12:32: da ist das ja auch nochmal besonders wichtig.

00:12:34: Das sind so Dinge,

00:12:35: wie man sich irgendwie schützen kann.

00:12:36: Zum anderen ist eine Impfung wichtig.

00:12:40: Am besten sogar noch bevor man jetzt transplantiert wird,

00:12:42: dass man nochmal alles auffrischt.

00:12:44: Es gibt aber auch Impfungen,

00:12:46: die auch regelmäßig empfohlen werden.

00:12:47: Zum Beispiel Grippe oder auch Covid,

00:12:49: dass das auch regelmäßig dann gemacht wird.

00:12:51: Das sind sogenannte Totimpfstoffe.

00:12:55: Das heißt, das sind Impfstoffe,

00:12:57: wo die Viren abgetötet worden sind

00:12:59: oder wo Fragmente von Viren sind.

00:13:01: Das heißt, die können jetzt selber

00:13:02: keinen Schaden mehr im Körper anrichten.

00:13:04: Das Immunsystem kann damit aber lernen.

00:13:06: Es ist nach wie vor natürlich so,

00:13:08: das Immunsystem ist geschwächt.

00:13:09: Dadurch kann halt eben die Wirkung

00:13:11: der Impfung nachher auch abgeschwächt sein.

00:13:13: Deswegen meinte ich halt gerade am besten,

00:13:14: alles, was man vorher nochmal impfen kann,

00:13:16: vorher impfen.

00:13:18: Trotzdem ist es besser als gar nichts.

00:13:20: Also jetzt gerade so die Grippe,

00:13:21: die man ja jährlich auffrischen soll,

00:13:22: wäre da schon wichtig.

00:13:24: Grippeschutzimpfung jetzt zum Beispiel

00:13:25: schützt eben auch für schwerere Verläufe.

00:13:28: Und gleichzeitig kann ein Infekt

00:13:29: aber auch eine Abstoßung

00:13:30: oder ein Transplantatversagen bedeuten.

00:13:33: Dadurch ist es eben auch wichtig,

00:13:34: dass man sich dann eben schützt.

00:13:36: Genau, dann gibt es ja noch

00:13:38: sogenannte Lebendimpfstoffe.

00:13:39: Da ist es dann wieder problematischer,

00:13:41: weil da sind ja noch Viren drin.

00:13:43: Die sind zwar abgeschwächt

00:13:44: und ein gesundes Immunsystem

00:13:46: kann damit umgehen.

00:13:47: Aber wenn man natürlich

00:13:48: Immunsuppressiva nimmt,

00:13:49: eben nicht mehr so gut.

00:13:50: Und deswegen ist es da auch einfach wichtig,

00:13:52: dass man vor dem Einsatz von Immunsuppressiva

00:13:54: nochmal alles auffrischt

00:13:55: und dass eben auch ihr Umfeld geimpft ist.

00:13:57: Das nennt man dann Herdenschutz.

00:13:59: Dann war ja noch die Frage,

00:14:01: so das Thema Reisen

00:14:02: ist jetzt grundsätzlich auch kein Problem.

00:14:05: Wenn sie auch gut eingestellt sind,

00:14:07: dann ist das machbar.

00:14:08: Es gibt halt ein paar Dinge,

00:14:09: die man da auch beachten muss.

00:14:11: Zum einen,

00:14:11: jetzt wenn sie irgendwie

00:14:12: ein fernes Land reisen

00:14:13: mit einer Zeitumstellung,

00:14:14: sollte man das berücksichtigen

00:14:15: bei der Einnahme,

00:14:16: dass man dann...

00:14:17: Ja, stimmt.

00:14:17: Das kann ja tricky werden,

00:14:18: dass man irgendwie

00:14:18: eine Leichen verurzelt hat.

00:14:20: Genau, dass man sich da irgendwie

00:14:21: im Handy eine Weckerfunktion einstellt,

00:14:23: dass man halt immer dann

00:14:24: zur üblichen Zeit

00:14:25: das dann auch einnimmt.

00:14:27: Zum anderen sollte man aufpassen,

00:14:30: dass man sich gut vor der Sonne schützt.

00:14:31: Denn Immunsuppressiva an sich

00:14:33: können als Nebenwirkungen

00:14:34: die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen.

00:14:36: Außerdem ist es halt auch so,

00:14:38: dass die Reparatur

00:14:39: nach UV-bedingten Hautschäden

00:14:42: schlechter funktioniert.

00:14:43: Denn das ist ja auch quasi

00:14:44: eine Immunreaktion,

00:14:45: Hautschäden dann beheben.

00:14:47: Und dadurch hat man dann leider

00:14:48: auch ein erhöhtes Hautkrebsrisiko.

00:14:49: Und hier ist es dann einfach auch wichtig,

00:14:51: sich eben vor direkter Sonneneinstrahlung

00:14:52: zu schützen

00:14:53: und hohen UV-Schutz dann aufzutragen.

00:14:56: Genau, vielleicht noch

00:14:56: so ein anderer wichtiger Punkt,

00:14:57: der kann auch beim Reisen,

00:14:58: aber auch im Alltag eine Rolle spielen,

00:15:00: ist, wie lagere ich eigentlich

00:15:02: Immunsuppressiva?

00:15:03: Man sollte sie vor Licht

00:15:04: und Feuchtigkeit schützen.

00:15:06: Also ist zum Beispiel

00:15:06: das Badezimmer immer

00:15:07: ein sehr schlechter Ort.

00:15:09: Wo man eigentlich klassischerweise

00:15:10: seine Medikamente bunkert.

00:15:12: Genau, genau.

00:15:13: Und deswegen,

00:15:14: da hat man dann,

00:15:14: wenn man regelmäßig duscht,

00:15:16: dann halt eben auch

00:15:17: eine hohe Luftfeuchtigkeit.

00:15:18: Das heißt,

00:15:19: das ist eigentlich

00:15:19: kein gut geeigneter Ort.

00:15:21: Oder einfach weniger duschen,

00:15:22: dann fühlt man sich

00:15:23: also Feuchtigkeit immer.

00:15:25: Ja gut,

00:15:26: das ist jetzt jeder selbst.

00:15:26: Die Hygiene,

00:15:27: die Hygiene habe ich vergessen.

00:15:28: Ja, danke.

00:15:32: Es ist wichtig,

00:15:33: dass man die im Originalbehälter lässt

00:15:35: und nicht irgendwie schon ausblistert.

00:15:37: Und was viele auch nicht wissen,

00:15:39: die sind ja immer nochmal in so einer,

00:15:40: also die Blister sind nochmal

00:15:41: in so einer Plastikfolie.

00:15:42: Und sobald diese Plastikfolie geöffnet ist,

00:15:44: ist die Haltbarkeit auch verkürzt.

00:15:46: Das können Sie dann auch nochmal

00:15:46: im Beipackzettel nachlesen,

00:15:47: meistens so um ein Jahr.

00:15:49: Also jetzt kein Drama,

00:15:50: Sie werden, denke ich,

00:15:51: in der Zeit die gut verbrauchen.

00:15:52: Aber sollte man einfach mal gehört haben.

00:15:55: Es gibt ja diese Medikamentenverpackungen,

00:15:58: wo man alles schon ausblistert

00:15:59: und dann für Montag bis Sonntag

00:16:01: schon alles vor in sein Päckchen reinlegt.

00:16:04: Weißt du, was ich meine?

00:16:05: Ja, genau.

00:16:05: Das heißt, das sollte man dann am besten

00:16:07: bei Immunsuppressiva nicht schon vor,

00:16:09: wie es dann sozusagen...

00:16:10: Dann besser wirklich ausschneiden.

00:16:13: Also vielleicht,

00:16:14: dass man die einzelnen Blister ausschneidet

00:16:15: und dann im Blister...

00:16:15: Dass man die nicht rausklippst,

00:16:17: sondern in dem...

00:16:17: Genau.

00:16:18: Wichtig ist natürlich,

00:16:19: dass man es dann auch,

00:16:20: bevor man es dann einnimmt,

00:16:21: direkt rausknipst

00:16:22: und nicht im Blister verschluckt.

00:16:23: Das stimmt.

00:16:24: Ja, das sollte man auch machen.

00:16:25: Auf jeden Fall nicht mit Verpackungen schlucken.

00:16:30: Ja.

00:16:31: Klingt banal, ne?

00:16:33: Aber...

00:16:33: Ja, meistens kommt das ja dann alles

00:16:34: in so ein kleines Dürchen

00:16:35: und man schluckt alle auf einmal runter.

00:16:39: Wie sieht es denn aus

00:16:40: hinsichtlich der Ernährungsweise?

00:16:42: Muss ich mich besonders ernähren?

00:16:43: Und was ist gerade

00:16:45: mit so Nahrungsergänzungsmitteln?

00:16:47: Gibt es da irgendwie

00:16:47: so typische Stolperfallen,

00:16:49: über die man besser nicht stolpern sollte?

00:16:51: Genau.

00:16:51: Ja, generell muss man bei der Ernährung

00:16:54: einfach beachten,

00:16:56: Nahrung im Magen und Darm

00:16:57: beeinflusst ja auch

00:16:58: die Aufnahme von Arzneimitteln.

00:17:00: Und Immunsuppressiva

00:17:01: werden zum Beispiel

00:17:02: auch durch fettreiche Nahrung beeinflusst.

00:17:04: Das heißt,

00:17:04: die werden dann schlechter sogar aufgenommen.

00:17:06: Das heißt,

00:17:07: wir sollten möglichst nüchtern sein,

00:17:09: entweder eine Stunde vor dem Essen

00:17:10: oder zwei bis drei Stunden nach dem Essen.

00:17:13: Wichtig ist,

00:17:14: egal wie Sie es machen,

00:17:15: machen Sie es bitte immer konstant.

00:17:16: Wir haben ja vorhin

00:17:17: über diesen konstanten Wirkspiegel gesprochen.

00:17:19: Das heißt,

00:17:20: die Nahrung als solche kann das beeinflussen.

00:17:22: Aber es gibt auch

00:17:23: Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln,

00:17:24: die wechselwirken.

00:17:26: Und zwar,

00:17:26: das wissen viele nicht,

00:17:27: Grapefruit ist so ein ganz tolles Beispiel,

00:17:30: was man meiden sollte,

00:17:31: wenn man Immunsuppressiva nimmt.

00:17:34: Weil Arzneimittel werden im Körper

00:17:35: ja auch irgendwie wieder abgebaut.

00:17:37: Über die Niere oder über die Leber.

00:17:39: Und in der Leber

00:17:40: gewisse Enzyme,

00:17:41: die eben dafür sorgen,

00:17:42: dass der Arzneistoff dann verändert wird,

00:17:44: sodass er dann abgebaut werden kann.

00:17:45: Und diese Enzyme,

00:17:47: da gehen halt verschiedene Arzneimittel dran,

00:17:49: die dann vielleicht miteinander konkurrieren,

00:17:51: aber auch Stoffe aus Nahrungsmitteln,

00:17:52: wie jetzt eben zum Beispiel

00:17:53: in dieser Grapefruit.

00:17:54: Die haben dann eine gewisse Affinität

00:17:55: zu diesen Enzymen.

00:17:57: Und je nachdem,

00:17:58: welche Affinität stärker ist,

00:18:00: setzt sich dann so eine Grapefruit durch.

00:18:01: Und unser Tacrolimus

00:18:03: oder Ciclosporin

00:18:04: wird dann eben nicht mehr so abgebaut,

00:18:06: wie es abgebaut werden soll.

00:18:07: Das heißt,

00:18:08: wir haben hier ein Risiko

00:18:09: für eine Überdosierung.

00:18:10: Okay, das heißt,

00:18:10: das bleibt dann länger im Körper.

00:18:12: Es bleibt länger im Körper, genau.

00:18:13: Das betrifft eben Grapefruit,

00:18:15: aber auch viele andere Arzneimittel.

00:18:16: Denn das ist einfach wichtig,

00:18:18: dass man das bedenkt,

00:18:20: gerade auch,

00:18:20: wenn man dann irgendwas Neues

00:18:21: verordnet bekommt

00:18:22: oder eben auch

00:18:23: sich selber was kauft.

00:18:25: Also es gibt ja auch Arzneimittel,

00:18:26: die braucht man kein Rezept für,

00:18:27: die kann man so

00:18:27: in der öffentlichen Apotheke kaufen

00:18:28: oder teilweise sogar

00:18:29: auch im Drogeriemarkt,

00:18:31: wie beispielsweise

00:18:31: das Johanniskraut,

00:18:33: was ich persönlich auch

00:18:34: ziemlich riskant finde,

00:18:35: dass man es einfach

00:18:36: so im Drogeriemarkt kaufen kann.

00:18:38: Denn,

00:18:39: wie ich eben gesagt habe,

00:18:40: es gibt ja Stoffe,

00:18:41: die mit diesen Enzymen konkurrieren

00:18:43: und Johanniskraut wiederum

00:18:44: sorgt dafür,

00:18:45: dass mehr von diesen Enzymen

00:18:46: gebildet werden.

00:18:47: Das heißt,

00:18:48: wir haben am Ende

00:18:49: vielleicht eine zu niedrige Dosis

00:18:51: von oder zu wenig

00:18:52: Ciclosporin oder Tacrolimus

00:18:54: im Körper

00:18:54: und dann haben wir ein Risiko

00:18:56: für eine Abschlussungsreaktion.

00:18:58: Okay, das heißt,

00:18:58: unter Johanniskraut-Einnahme

00:19:00: kann es sein,

00:19:00: dass es mehr von den

00:19:01: abbauenden Enzymen gibt

00:19:02: und die das deswegen

00:19:03: schneller abbauen

00:19:04: und wir einfach

00:19:04: viel zu wenig davon

00:19:05: im Körper haben.

00:19:06: Ja, ganz klar.

00:19:06: Okay, also in die andere Richtung.

00:19:08: In die andere Richtung, genau.

00:19:08: Johanniskraut, gefährlich.

00:19:09: Okay, also um es zusammenzufassen,

00:19:11: der Alltag mit der Immunsuppression

00:19:13: auf jeden Fall

00:19:14: auf die Hygiene achten,

00:19:16: Händehygiene,

00:19:17: man hat ein erhöhtes

00:19:18: Infektionsrisiko,

00:19:19: das ist dann einfach so,

00:19:20: wenn man das Immunsystem

00:19:20: auch bremst.

00:19:22: Das ist ja auch

00:19:22: der gewünschte Effekt,

00:19:23: was dann unsere

00:19:24: Autoimmunerkrankung

00:19:25: oder unsere transplantierte

00:19:26: Niere angeht.

00:19:27: Ernährung,

00:19:28: darauf achten,

00:19:29: vor allem Finger weg

00:19:30: von Grapefruit

00:19:31: und vor allem auch

00:19:32: Johanniskraut

00:19:33: hier in die andere Richtung

00:19:34: problematisch

00:19:35: und vor allem

00:19:36: das Thema Impfung

00:19:37: ganz wichtig.

00:19:37: Vielleicht können wir dazu

00:19:38: auch nochmal eine eigene

00:19:39: Folge machen,

00:19:39: fällt mir gerade so ein.

00:19:41: Ganz interessantes Thema,

00:19:42: alles, was noch geimpft werden kann,

00:19:43: vor der Transplantation impfen

00:19:44: und auf jeden Fall

00:19:45: regelmäßig Grippe aufverfrischen.

00:19:49: Du hattest eben gesagt,

00:19:50: im Zusammenhang

00:19:51: mit dem Grapefruit-Saft

00:19:52: oder auch Grapefruits an sich,

00:19:54: dass hier eine Wirkung

00:19:55: auf Enzyme gibt,

00:19:56: die auch andere Medikamente

00:19:58: haben können.

00:19:58: Was ist denn hier wichtig,

00:19:59: wenn man neue Medikamente

00:20:01: verschrieben bekommt

00:20:02: als immunsupprimierte Person

00:20:03: und wie kann die Apotheke

00:20:05: an sich eigentlich konkret

00:20:07: zusätzlich über die

00:20:08: Medikamentenausgabe hinaus

00:20:09: hier helfen und unterstützen?

00:20:11: Genau, also ich empfehle

00:20:13: allen Patientinnen und Patienten,

00:20:15: die immer einen aktuellen

00:20:16: Medikationsplan dabei haben

00:20:18: sollten.

00:20:18: Denn wir kennen das ja alle,

00:20:20: dann gehen wir zu unserem

00:20:21: Hausarzt oder zu unserer

00:20:23: Hausärztin,

00:20:24: bekommen Arzneimittel verschrieben,

00:20:25: dann gehen wir noch zu unserem

00:20:27: Nephrologen,

00:20:27: da bekommen wir wieder was

00:20:28: verschrieben,

00:20:29: dann noch irgendwie

00:20:30: andere Fachärzte,

00:20:31: anderer Facharzt,

00:20:32: so und dann weiß nachher

00:20:33: der eine nicht,

00:20:34: was der andere gemacht hat

00:20:35: und da ist es einfach wichtig,

00:20:38: dass wir einfach ein Dokument

00:20:39: haben, wo alles drinsteht,

00:20:41: was eben auch erweitert werden kann.

00:20:43: Das hat ja dann gerade

00:20:43: dieser bundeseinheitliche

00:20:44: Medikationsplan,

00:20:45: hat ja diesen QR-Code

00:20:47: und dann kann eben

00:20:48: jeder Verordnende prüfen

00:20:50: mit einer neuen Verordnung,

00:20:52: interagiert das irgendwie

00:20:53: miteinander.

00:20:53: Das kann auch eine

00:20:54: öffentliche Apotheke machen,

00:20:55: da kommt ja auch oft,

00:20:56: wenn man jetzt gerade

00:20:56: so eine Stammapotheke hat,

00:20:58: kommt ja auch oft

00:20:58: immer da alles zusammen,

00:21:00: was man dann

00:21:01: mit verschiedenen Stellen

00:21:01: verordnet bekommt,

00:21:02: was man sich dann selber

00:21:03: auch noch kauft ohne Rezept

00:21:04: und da ist es einfach

00:21:05: immer wichtig,

00:21:05: dass man den aktuell hält.

00:21:07: Denn gerade,

00:21:08: auch wenn man mal

00:21:09: kurzfristig irgendwie

00:21:10: was einem Antibiotika

00:21:11: zum Beispiel,

00:21:12: da gibt es auch ganz,

00:21:13: ganz viele,

00:21:14: die eben dann da mit

00:21:15: unseren immunsuppressiven

00:21:16: Wechsel wirken,

00:21:17: gerade auch eben

00:21:17: über diese Enzyme,

00:21:18: die ich eben gesagt habe.

00:21:19: Zum Thema Apotheke noch mal

00:21:21: hat uns eine häufig

00:21:22: gestellte Frage erreicht

00:21:24: von unseren betroffenen

00:21:25: Patientinnen und Patienten

00:21:26: und zwar die Frage

00:21:27: nach Generika.

00:21:29: Macht es hier einen Unterschied,

00:21:30: welches Präparat man einnimmt?

00:21:32: Weil manchmal,

00:21:32: wenn man in der Apotheke ist

00:21:33: und sich in seinem Medikament

00:21:35: abholen möchte,

00:21:36: werden einem ja auch

00:21:36: verschiedene Hersteller

00:21:38: vorgeschlagen.

00:21:39: Genau, das ist,

00:21:41: als ich noch in der

00:21:42: öffentlichen Apotheke

00:21:42: gearbeitet habe,

00:21:43: auch tagtäglich fast erlebt,

00:21:45: dass man jetzt nicht

00:21:46: das Arzneimittel bekommt,

00:21:47: was so auf dem Rezept steht.

00:21:50: Das ist grundsätzlich

00:21:50: erstmal nicht schlimm.

00:21:51: Grundsätzlich sind

00:21:52: Generika Arzneimittel,

00:21:53: die den gleichen Wirkstoff haben,

00:21:56: in der gleichen Dosierung

00:21:57: und auch in der

00:21:58: vergleichbaren Darreichungsform.

00:21:59: Die wirken gleich.

00:22:01: Das ist in der Regel

00:22:02: kein Problem,

00:22:03: da auch auszutauschen.

00:22:04: Das ist sogar gut,

00:22:05: weil wir müssen ja überlegen,

00:22:06: irgendwann läuft das Patent ab

00:22:07: von einem Arzneimittel

00:22:08: und dann kann das

00:22:09: von anderen Firmen

00:22:10: produziert werden

00:22:10: und das spart natürlich

00:22:12: auch Kosten.

00:22:12: Und die Krankenkassen,

00:22:14: die haben Rabattverträge

00:22:15: mit den verschiedenen

00:22:16: Firmen und deswegen

00:22:17: ist dann die Apotheke

00:22:18: auch an diese Rabattverträge

00:22:19: gebunden und muss

00:22:20: das Arzneimittel abgeben,

00:22:22: was eben da

00:22:22: diesen Vertrag hat.

00:22:24: Tatsächlich ist es

00:22:25: bei Immunsuppressiva

00:22:26: ein bisschen anders,

00:22:27: denn ich habe das

00:22:28: ja schon mal gesagt,

00:22:29: wir haben hier

00:22:30: einen sehr engen

00:22:32: therapeutischen Bereich

00:22:33: und wir haben hier

00:22:34: sehr sensibler Arzneimittel

00:22:35: und die fallen unter

00:22:37: einer sogenannten

00:22:39: Substitutionsausschlussliste.

00:22:39: Und das ist aber

00:22:40: ein langes Wort.

00:22:42: Genau, es ist nämlich so,

00:22:44: darunter fallen eben

00:22:45: Arzneimittel,

00:22:46: die diese enge

00:22:47: therapeutische Breite haben

00:22:48: oder bei denen

00:22:49: ist in der Fachinformation

00:22:50: oder in der Barbeiz

00:22:51: so steht,

00:22:51: dass die nicht einfach

00:22:52: ausgetauscht werden dürfen

00:22:53: ohne ärztliche Betreuung.

00:22:55: Okay.

00:22:56: Genau.

00:22:56: Und deswegen ist es

00:22:57: da tatsächlich so,

00:22:58: dass man da auch wirklich

00:22:59: das bekommen sollte,

00:23:01: was man vorordnet bekommen hat.

00:23:02: Es ist leider so,

00:23:03: wir haben das Problem

00:23:05: ganz oft,

00:23:06: dass Arzneimittel

00:23:07: manchmal nicht lieferbar sind

00:23:08: und dann muss natürlich

00:23:10: geguckt werden,

00:23:10: was machen wir jetzt.

00:23:11: Da ist es natürlich

00:23:12: immer besser,

00:23:13: eine andere Firma zu geben,

00:23:14: als gar nichts zu geben.

00:23:15: Natürlich niemals

00:23:15: ohne ärztliche Rücksprache.

00:23:17: Also das muss dann

00:23:18: auch neu verordnet werden.

00:23:20: Aber es ist jetzt nicht erst mal,

00:23:21: also wenn sie irgendwann mal

00:23:23: in der Situation sind,

00:23:25: dass sie eine andere Firma bekommen,

00:23:26: dann ist das jetzt

00:23:27: kein Weltuntergang,

00:23:28: dann muss das eben

00:23:29: ärztlich betreut werden

00:23:30: mit nochmal Blutabnahmen.

00:23:32: Dass man dann nochmal

00:23:32: den Spiegel kontrolliert sozusagen.

00:23:34: Genau, dass man den Spiegel kontrolliert.

00:23:35: Aber grundsätzlich sagt man

00:23:36: bei Immunstruck ist aber eben schon,

00:23:38: dass man da

00:23:38: bei der gleichen Firma

00:23:39: bleiben sollte.

00:23:40: Aber an sich ist es sonst

00:23:41: immer der gleiche Wirkstoff.

00:23:42: Es hat einfach nur

00:23:43: eine andere Firma hergestellt,

00:23:44: die das dann vielleicht

00:23:45: auch mittlerweile günstiger macht,

00:23:46: weil das Patent abgelaufen ist.

00:23:47: Ja, genau.

00:23:48: Also alle anderen Medikamente

00:23:49: sollten eigentlich

00:23:50: den gleichen Wirkstoff

00:23:51: und dann auch

00:23:52: die gleiche Wirkung an sich haben.

00:23:53: Genau, nicht nur eigentlich.

00:23:54: Das ist so.

00:23:56: Da muss man sich auch

00:23:57: keine Sorgen machen.

00:23:58: Grundsätzlich jetzt

00:23:59: bei allen anderen Arzneimitteln

00:24:01: irgendwelche Blutdruckarzneimitteln

00:24:02: nehmen oder sowas.

00:24:03: Da müssen sie sich

00:24:04: wirklich gar keine Sorgen machen.

00:24:06: Das hat die gleiche Wirkung.

00:24:07: Okay, da macht es keinen Unterschied.

00:24:08: Aber bei Immunsuppressiver

00:24:09: sollte man schon

00:24:10: bei der gleichen

00:24:11: Herstellerfirma bleiben.

00:24:12: Genau.

00:24:14: Ja, super.

00:24:15: Vielen, vielen lieben Dank, Caro,

00:24:17: dass du uns das sehr komplexe Thema

00:24:18: der Immunsuppression

00:24:19: so verständlich erklärt hast.

00:24:21: Wenn ihr Fragen habt

00:24:22: oder Themenwünsche

00:24:23: für kommende Folgen,

00:24:24: schreibt sie einfach gerne

00:24:25: in die Kommentare.

00:24:26: Wir wollen nämlich vor allem

00:24:27: auch die nephrologischen Themen

00:24:28: für euch aufklären,

00:24:29: die euch interessieren.

00:24:31: Bevor wir zum Ende kommen,

00:24:32: Caro, was sind für dich

00:24:33: die drei wichtigsten Punkte,

00:24:34: die du noch betroffenen

00:24:35: Patientinnen und Patienten

00:24:36: als Take-Home-Message

00:24:38: mitgeben möchtest?

00:24:39: Genau.

00:24:40: Ja, zum einen

00:24:40: auf jeden Fall

00:24:41: der Medikationsplan.

00:24:43: Der liegt mir sehr am Herzen.

00:24:45: Das macht einfach

00:24:45: für alle Beteiligten,

00:24:47: macht es es einfach auch

00:24:48: leichter für sie selber,

00:24:49: weil sie ja dann auch wissen,

00:24:50: was nehme ich eigentlich alles.

00:24:51: Aber auch eben

00:24:52: für ihr Behandlungsteam,

00:24:53: um eben Wechselwirkungen

00:24:54: zum Beispiel einschätzen zu können.

00:24:56: Dann wichtig ist es eben,

00:24:58: dass man die Medikamente

00:24:59: regelmäßig einnimmt

00:25:00: und regelmäßig

00:25:02: Spiegelkontrollen macht,

00:25:03: gerade auch,

00:25:03: wenn sich irgendwelche

00:25:04: Umstände verändern

00:25:06: und niemals

00:25:08: eigenständig

00:25:08: irgendetwas absetzen.

00:25:10: Wenn Sie das Gefühl haben,

00:25:11: Sie haben irgendwie

00:25:11: Nebenwirkungen

00:25:12: und irgendwas ist,

00:25:13: fühlt sich nicht richtig an,

00:25:15: kontaktieren Sie

00:25:15: Ihren Behandlungsteam,

00:25:16: aber setzen Sie bitte

00:25:17: niemals eigenständig

00:25:17: Ihre Arzneimittel ab.

00:25:20: Das waren wirklich

00:25:20: nochmal drei sehr wichtige Punkte,

00:25:22: die ich auch so

00:25:23: unterschreiben würde.

00:25:24: Vielen lieben Dank, Caro.

00:25:25: Die Folge hat mir

00:25:25: sehr viel Spaß gemacht mit dir.

00:25:26: Mir auch.

00:25:27: Und hoffentlich bis bald.

00:25:28: Ja, hoffentlich bis bald.

00:25:29: Tschüss.

00:25:30: Tschüss.

00:25:32: Tschüss.

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