Rund um: Die Nierentransplantation
Shownotes
In dieser Folge erzählt uns Alex alles über seinen Weg zur Nierentransplantation. Erst kürzlich hat er eine Lebendnierenspende von seinem Vater erhalten und beantwortet eure häufigsten Fragen: Wie verlief die Vorbereitung und auf welche Untersuchungen muss ich mich einstellen? Wie läuft der Tag der Transplantation ab? Und wie ist das Leben mit einer neuen Niere?
Als Expertin mit dabei ist Frau Prof. Kurschat, die ärztliche Leiterin der Transplantationsmedizin der Uniklinik Köln. Frau Prof. Kurschat erläutert basierend auf ihrer Erfahrung und Expertise ergänzende Fragen, beispielsweise wie eine Transplantation mit unterschiedlichen Blutgruppen ermöglicht werden kann. Und wer darf eigentlich eine Niere spenden?
Mehr Informationen rund um die Niere findet Ihr auf unserer Website!
Ihr habt Ideen, Vorschläge und weitere Fragen, die wir in unseren nächsten Folgen beantworten sollen? Schreibt uns gerne! https://forus.info/kontakt
Transkript anzeigen
00:00:00: Man weiß es ja nicht. Da habe ich mich gefragt, ob die irgendwie wackelt und man das dann merkt bei Bewegungen.
00:00:03: Aber die ist da so gut fest verankert, dass die da eben nicht wackelt.
00:00:10: Hallo und herzlich willkommen zu unserer nächsten Folge unseres Podcasts rund um die Niere.
00:00:14: Und die heutige Folge dreht sich rund um die Nierentransplantation.
00:00:18: Hierfür freue ich mich heute, einen Gast bei uns zu haben, der frisch eine Lebend-Nierenspende erhalten hat.
00:00:24: Und zwar ist Alexander hier bei uns zu Gast. Lieber Alex, vielen Dank, dass du hier bist.
00:00:27: Ja, hallo. Vielen Dank für die Einladung.
00:00:30: Außerdem freue ich mich sehr, als Expertin an meiner Seite heute Frau Prof. Kurschat zu haben,
00:00:34: die ärztliche Leiterin unserer Transplantationsmedizin hier in der Uniklinik Köln.
00:00:38: Vielen Dank, dass Sie uns heute hier mit Ihrer Expertise in dieser Podcast-Folge unterstützen.
00:00:43: Ja, hallo und herzlichen Dank für die Einladung ebenfalls.
00:00:46: Lieber Alex, wieder starten wir die Folge erstmal, indem du ein bisschen von dir und deiner Nierenerkrankung erzählst.
00:00:52: Wie war denn da der Verlauf?
00:00:53: Ja, also so vor circa 20 Jahren habe ich gemerkt, dass ich an Gewicht zunehme.
00:00:58: Aber ich dachte einfach, es ist das schlechte Essen in der Mensa.
00:01:02: Und habe mich sogar ein bisschen gefreut, dass ich dann so ein bisschen zulege.
00:01:05: Und dann habe ich aber Fußball gespielt und habe dann mal so die Beine ertastet und habe dann gesehen,
00:01:11: oh, das ist aber doch kein Fett oder so, das ist wohl Wasser.
00:01:13: Weil man da wirklich reindrücken konnte und das blieb dann für einen Moment so.
00:01:17: Und dann ein, zwei Tage später hat das dann auch Ausmaße angenommen, die ich nicht mehr ignorieren konnte.
00:01:22: Und dann bin ich in ein Krankenhaus hier gefahren.
00:01:25: Und die haben dann bei der ersten Blutuntersuchung natürlich direkt festgestellt, dass irgendwas mit der Niere ist.
00:01:30: Haben mich dann ein paar Mal gefragt, ob ich irgendwie Drogen genommen habe.
00:01:34: Zum Glück haben sie es mir dann gekauft.
00:01:35: Das hast du natürlich verneint.
00:01:36: Ja, wahrheitsgemäß verneint.
00:01:39: Und ja, dann begann die Suche nach der Ursache.
00:01:43: Für mich war das ein bisschen enttäuschend, weil man da wirklich nur auf zwei Dinge pro Tag getestet hat.
00:01:48: Und dann hieß es ja, gut, wir können ja jetzt nicht auf 100 Sachen gleichzeitig testen.
00:01:51: Also hätte es schon ein bisschen schneller gehen können alles.
00:01:55: Und als mir das dann zu lange dauerte, da war ich irgendwie schon zehn Tage im Krankenhaus,
00:01:59: habe ich mich dann in die Uniklinik verlegen lassen.
00:02:01: Und da hat man dann recht bald eine Biopsie gemacht.
00:02:04: Und da dann offenbar, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, irgendwelche Antikörper festgestellt,
00:02:09: die auf eine Autoimmunerkrankung hindeuten.
00:02:11: Damals hatte man die Vermutung, dass das irgendwie Lupus ist.
00:02:15: Hinterher war das dann wohl nicht mehr so deutlich.
00:02:17: Aber jedenfalls habe ich dann Azathioprin bekommen.
00:02:20: Das ist wohl so ein Immunsuppressivum auch.
00:02:24: Und Cyclophosphamid, was offenbar schon so als Chemotherapie gilt.
00:02:29: Nach den Leitlinien waren da damals wohl sechs Gaben vorgesehen.
00:02:32: Aber ich habe einfach gemerkt, nach drei Gaben, ich brauche nicht mehr.
00:02:35: Weil dann waren das die Leukozyten, die schon wieder wirklich massiv runtergegangen waren.
00:02:40: Und dann habe ich auch gesagt, nee, drei reichen mir.
00:02:42: Und tatsächlich wurde ich dann auch kurze Zeit später entlassen.
00:02:45: Und das Wasser ging weg durch Lasix, so harntreibende Medikamente eben.
00:02:50: Und dann ging es mir recht schnell wieder richtig gut.
00:02:54: Und ich musste auch nach nicht allzu langer Zeit gar keine Blutdruckmittel mehr nehmen.
00:02:58: Mir wurde damals gesagt, naja, durch jetzt hier die Niereninfektion, die ich ja hatte,
00:03:02: das hatte dann geführt zu der Wassereinlagerung,
00:03:05: dass meine Nieren Schaden behalten hat und ich jetzt nur noch irgendwie so nicht mal die Hälfte der Funktion übrig habe.
00:03:10: Und dass ich wohl irgendwann in meinem Leben mal eine neue Niere brauche.
00:03:14: Da hat mein Vater mir dann auch gleich gesagt, wenn das mal nötig ist und ich noch da bin, dann auf jeden Fall.
00:03:20: Und klar, ich meine, da war ich Anfang 20.
00:03:22: Da habe ich natürlich von mir weggeschoben und gesagt, naja, mal abwarten und mal abwarten, was bis dahin entwickelt wird und so.
00:03:28: Tatsächlich habe ich dann auch komplett symptomlos gelebt für einige Jahre.
00:03:32: Ich hatte 2012 dann mal so eine hypertensive Entgleisung.
00:03:37: Da habe ich daran gemerkt, dass ich über Wochen krasse Nackenschmerzen hatte.
00:03:42: War bei mehreren Orthopäden.
00:03:43: Aber die kommen ja nicht mal auf den Gedanken, dass es auch einfach an massiv erhöhtem Blutdruck liegen könnte.
00:03:48: So weit denken die ja nicht.
00:03:50: Festgestellt hat das dann der Augenarzt, weil ich bin zu dem, weil ich dann irgendwann tatsächlich so irgendwelche Erscheinungen im Sichtfeld hatte.
00:03:58: Und der hat dann auch gesehen, dass da was war und ich wohl Glück hatte, dass da irgendein Gefäß verschlossen war und wieder aufgegangen ist,
00:04:05: weil ich sonst wohl auf dem einen Auge erblindet wäre.
00:04:08: Also man kann wirklich jedem nur raten, möglichst regelmäßig Blutdruck zu messen.
00:04:13: Vor allen Dingen, ich sage das jetzt auch jedem, der mir sagt, der hat Nackenschmerzen, dem sage ich ja, wie ist dein Blutdruck?
00:04:18: Da denkt man halt nicht dran.
00:04:20: Das spürt man auch halt erst, sobald irgendwie was passiert.
00:04:23: Also sonst merkt man das ja auch nicht.
00:04:25: Ja.
00:04:25: Und ja, dann bin ich wieder vom Augenarzt direkt in die Uniklinik.
00:04:28: Da wurde dann der Blutdruck eingestellt.
00:04:30: Und dann ging das auch irgendwie einige Jahre gut.
00:04:33: Die Kreatininwerte waren dann auch mehr oder weniger konstant.
00:04:37: Dann gab es 2017 so einen schon auffallenden Abfall oder Anstieg natürlich, was die Kreatininwerte anging.
00:04:46: Und da habe ich dann angefangen, mir Sorgen zu machen.
00:04:49: Aber ab 2017 war es dann auch sehr, sehr, also ein stabiler Rückgang.
00:04:54: Ja, also ziemlich gleichmäßiger Rückgang bis dann irgendwann 2022 auf eine GFR von 12.
00:05:03: Und dann wurde hier der Nephrologe in der Uniklinik auch immer deutlicher und meinte, ja, also Sie werden jetzt eine Transplantation früher oder später brauchen.
00:05:13: Wir bereiten das jetzt in Ruhe vor.
00:05:15: Und genau dann haben mein Vater und ich die Vorbereitungsuntersuchung gestartet.
00:05:19: Genau, das hat Sie dann hier zu uns und zu Frau Professor Kurschert in die Transplantationsmedizin geführt.
00:05:24: Und die Vorbereitungen sind eingeleitet worden.
00:05:26: Wie genau kann man sich denn so eine Vorbereitung vorstellen?
00:05:30: Ja, also es gibt hier so ein Transplantationsmanagement-Team, nenne ich das jetzt mal.
00:05:36: Die listen einem dann auf, was man für Untersuchungen braucht und terminieren da auch einen Großteil von.
00:05:40: Also alles das, was in der Uniklinik gemacht werden kann, wird von denen terminiert.
00:05:43: Ja, das sind ein paar Ultraschalluntersuchungen und ein Belastungs-EKG und dann andere Untersuchungen, deren Namen ich jetzt schon wieder vergessen habe.
00:05:51: Aber die waren jetzt alle nicht invasiv oder so.
00:05:53: Also es war jetzt keine Biopsie nötig und das arbeitet man dann ab.
00:05:58: Dann braucht man ein psychologisches Konsil.
00:06:01: Da geht es darum, ist der Patient in der Lage, sich daran zu halten, dass er nach der Transplantation wirklich penibel regelmäßig die Immunsuppressiva einnehmen kann.
00:06:10: Und es geht überhaupt beim Spender um die Motivation.
00:06:14: Da soll irgendwie offenbar auch schon ausgeschlossen werden, dass da irgendwelche Zwänge herrschen oder so.
00:06:20: Genau, dann extern braucht man noch ein Konsil vom Urologen.
00:06:25: Vom Zahnarzt braucht man noch was.
00:06:27: Also das geht auch ganz schnell, ne?
00:06:28: Also vor allen Dingen beim Zahnarzt.
00:06:30: Er schaut halt nur, ob da gerade irgendwelche akuten Infektionsherde oder so im Mund sind wohl.
00:06:34: Ja, man sollte da auch zusehen, dass man das alles zügig einreicht, weil manche Untersuchungen nach einem Jahr die Gültigkeit verlieren.
00:06:41: Ah, okay.
00:06:42: Also es sind ja schon sehr viele und sehr umfangreiche Untersuchungen.
00:06:46: Frau Kurschert, wie schätzen Sie das ein?
00:06:48: Sind die alle auch wirklich notwendig, weil viele und häufige Fragen sind gestellt, ob es wirklich so viele Untersuchungen braucht?
00:06:54: Vor allem auch viele Fragen kamen hier zu uns bezüglich dem psychologischen Gutachten und wer als Spender überhaupt in Frage kommt.
00:07:00: Ist das beschränkt auf Familienmitglieder oder wer darf alles eine Niere spenden?
00:07:04: Also insgesamt sind es natürlich schon viele Untersuchungen.
00:07:07: Das ist etwas abhängig davon, wie alt derjenige ist.
00:07:11: Also wir richten uns so ein bisschen auch nach den Empfehlungen der Krebsvorsorgeuntersuchungen.
00:07:16: Das heißt, wenn man schon als älterer Empfänger oder Spender in die Vorbereitung geht,
00:07:20: dann hat man etwas mehr Krebsvorsorgeuntersuchungen zu erledigen, als wenn man jünger ist.
00:07:25: Und von den entsprechenden Untersuchungen, die wir bei uns machen, schaffen wir das meistens eigentlich an zwei ambulanten Terminen.
00:07:32: Also wir haben relativ viele Laboruntersuchungen, die dabei sind, damit wir sicher sind,
00:07:36: dass von der Virusinfektionsseite keine Bedenken bestehen und dass wir auch nochmal wirklich ausführliches Labor,
00:07:42: auch Leberwerte, Schilddrüsenwerte überprüfen, dass das soweit alles in Ordnung ist.
00:07:46: Und wir machen auch die kardiologische Untersuchung immer bei uns in der Uniklinik,
00:07:50: damit wir sicher sind, dass der kardiologische Standard gewährt ist und wir keine Überraschung bei der OP erleben.
00:07:56: Das ist für uns wichtig.
00:07:59: Insgesamt machen wir beim Spender schon eine invasive Untersuchung.
00:08:02: Das ist ein CT vom Bauch mit Kontrastmittel.
00:08:06: Das heißt, das ist sozusagen das Invasivste eigentlich, was auf den Spender zukommt.
00:08:10: Die psychologische Untersuchung ist tatsächlich vorgeschrieben.
00:08:13: Das ist ein Gespräch zwischen Spender und Empfänger in unserer Psychosomatik.
00:08:19: Und das müssen wir vom Gesetz her einhalten, sonst dürfen wir keine Lebendspende machen.
00:08:23: Das dient vor allen Dingen dem Spender- und Empfängerschutz,
00:08:27: weil es manchmal so ist, dass tatsächlich Spender oder Empfänger oder beide auch psychische Erkrankungen aufweisen
00:08:33: oder vielleicht sogar schon vorher Probleme bestanden haben,
00:08:37: sodass die Lebendspende, wenn wir das alles organisieren, noch eine zusätzliche Belastung darstellt.
00:08:42: Also deswegen ist es tatsächlich auch wichtig, dass wenn Probleme bestehen,
00:08:46: dass auch dort nochmal einmal ausführlich gesprochen wird.
00:08:49: Das ist eine relativ umfangreiche Untersuchung.
00:08:52: Die sprechen einmal alleine mit Spender und Empfänger, aber auch mit beiden zusammen.
00:08:57: Und dann wird ein sehr ausführlicher Bericht geschrieben.
00:09:00: Und es ist tatsächlich in Deutschland ja vom Gesetz her vorgeschrieben
00:09:05: oder es ist beschrieben, wer spenden darf und wer nicht.
00:09:08: Also die Lebendspende ist in Deutschland sehr, sehr streng reguliert.
00:09:11: Und im Gesetzestext steht, dass sozusagen nächste Angehörige, erstgradige Verwandte spenden dürfen
00:09:17: und sozusagen zweit- oder drittgradige Verwandte oder oder.
00:09:21: Und so ist es dann vom Text her eine Person, die dem Empfänger in besonderer Weise nahe steht.
00:09:28: Das ist natürlich ein Text, der relativ weit ausgelegt werden kann,
00:09:32: aber wir müssen in Deutschland überprüfen, ob diese Gegebenheiten vorliegen.
00:09:36: Das heißt, es kann nicht jemanden spenden, der nur kurz bekannt ist
00:09:40: oder der überhaupt nicht im Zusammenhang mit dem entsprechenden Empfänger steht.
00:09:45: Und bei dir kam dein Vater als Spender in Frage und ist auch dein Spender geworden?
00:09:50: Ja, ja, genau so war das.
00:09:51: Also ich hätte jetzt keinen anderen Spender gehabt.
00:09:54: Für meinen Vater war das auch irgendwie zwingend.
00:09:56: Der wollte mir unbedingt helfen.
00:09:58: Und deswegen war dem dann auch wichtig, dass ich es dann jetzt auch mache,
00:10:01: weil er hatte einfach Angst, dass ihm irgendwas passiert und er mir nicht mehr helfen kann.
00:10:05: Er war jetzt auch schon jenseits der 70.
00:10:07: Also das hat mich dann auch dazu bewogen, das jetzt dann doch mal in Angriff zu nehmen.
00:10:13: Ich kann es mir auch total vorstellen, dass es auch emotional eine andere Ebene ist,
00:10:17: wenn dann auch ein Familienmitglied mit involviert ist.
00:10:20: Und dass es auch schwierig sein kann, dann hier auch als Empfänger zu sagen,
00:10:24: ja, ich nehme deine Niere. Gab es da irgendwelche Bedenken?
00:10:28: Ja, also natürlich denkt man darüber nach.
00:10:30: Aber ich habe ja von vornherein das so wahrgenommen und mein Vater hat es mir ganz deutlich vermittelt,
00:10:34: dass er mir auf jeden Fall helfen möchte.
00:10:37: Und dann ist meine Hemmung, das anzunehmen, natürlich geringer.
00:10:42: Das stimmt auf jeden Fall.
00:10:44: Hatte dein Vater die gleiche Blutgruppe wie du?
00:10:46: Nee, er hatte nämlich nicht die gleiche Blutgruppe.
00:10:49: Und da wurde mir aber schon vor ein paar Jahren gesagt,
00:10:51: dass das mittlerweile wohl kein Problem ist mehr, jedenfalls kein großes.
00:10:56: Das ist nämlich auch eine häufig gestellte Frage,
00:10:59: ob es mittlerweile möglich ist, Blutgruppen inkompatibel einer Transplantation von Organen durchzuführen.
00:11:05: Vielleicht kann hier auch Frau Prof. Kurschert kurz erklären,
00:11:08: was hier für unterschiedliche Vorbereitungen zu treffen sind,
00:11:11: je nachdem, ob die Blutgruppen übereinstimmen oder nicht.
00:11:14: Ja, das ist wirklich ein wichtiges Thema,
00:11:16: weil bis 2004 das in Deutschland überhaupt nicht möglich war,
00:11:20: über die Blutgruppengrenzen hinweg zu transplantieren.
00:11:24: Und wir schauen in der Transplantationsmedizin nach den Buchstaben.
00:11:27: Es gibt ja bei der Blutgruppe immer einen Buchstaben und dann positiv oder negativ.
00:11:31: Der Rhesusfaktor, der ist für uns nicht relevant, aber der Buchstabe schon.
00:11:35: Und es ist so, wenn der Spender die Blutgruppe 0 hat, dann ist das immer kompatibel.
00:11:39: Weil Blutgruppe 0 auf alle anderen Blutgruppen spenden kann.
00:11:43: Wenn der Empfänger die Blutgruppe AB hat, dann kann er auch alle anderen Blutgruppen akzeptieren.
00:11:48: Das ist dann auch für die Transplantation wunderbar.
00:11:52: Wenn das aber nicht der Fall ist und die Blutgruppen nicht übereinstimmen,
00:11:55: also die Buchstaben anders sind, zum Beispiel ein Spender mit Blutgruppe B
00:11:59: auf einen Empfänger mit Blutgruppe A spenden will, dann gibt es Probleme.
00:12:04: Und zwar deshalb, weil man immer Antikörper gegen die fremde Blutgruppe hat.
00:12:09: Also wenn Sie zum Beispiel Blutgruppe A haben, dann haben Sie Antikörper gegen Blutgruppe B.
00:12:14: Und diese Antikörper können sich tatsächlich im Transplantat dann niederschlagen.
00:12:19: Das heißt, es kann dazu führen, dass man eine Abstoßung bekommt.
00:12:22: Und deswegen muss man vorher versuchen, diese Antikörper gegen die fremde Blutgruppe zu senken.
00:12:28: Wir haben mehrere Möglichkeiten, das zu tun.
00:12:30: Wir können einmal eine Infusion machen mit einem Medikament, das heißt Rituximab.
00:12:35: Und dieses Medikament schafft tatsächlich die Zellen daran zu hindern, weitere Antikörper zu produzieren.
00:12:42: Die Antikörper, die aber da sind, also die man noch im Blut hat, muss man zusätzlich rauswaschen,
00:12:48: kurz bevor man die Transplantation macht.
00:12:50: Und wir haben da bestimmte Messwerte.
00:12:53: Das heißt, wir messen immer, wie hoch der Antikörpertiter ist.
00:12:57: Und dann, je nachdem, muss man eine Behandlung machen, die heißt Immunadsorption oder Plasmaseparation.
00:13:05: Und durch diese Behandlung wird tatsächlich der Antikörper im Blut gesenkt.
00:13:10: Und wenn der einen bestimmten Wert erreicht hat, dann können wir transplantieren.
00:13:13: Und dann ist auch die Gefahr der Abstoßung tatsächlich minimal.
00:13:17: Und das ist der Vorteil, dass man heute tatsächlich in Deutschland auch Patienten transplantieren kann,
00:13:22: die eben keine übereinstimmenden Blutgruppen haben.
00:13:25: Das einzige Problem entsteht dann, wenn der Antikörper so hoch ist,
00:13:29: dass durch die Verfahren, die wir haben, leider die Senkung nicht möglich ist.
00:13:32: Oder einfach man nicht auf den Wert kommt, den man letztlich für die Transplantation braucht.
00:13:37: Das heißt, es gibt einige Patienten, die man dann leider nicht transplantieren kann.
00:13:42: Und das, was wir dann manchmal machen, ist tatsächlich, dass wir einfach warten,
00:13:46: dann gegebenenfalls nochmal Rituximab geben und dann nochmal zu einem späteren Zeitpunkt versuchen,
00:13:50: die Antikörper zu senken.
00:13:52: Und wir haben einige Patienten, bei denen das dann auch tatsächlich geklappt hat.
00:13:55: Und wenn das nicht klappen sollte, gibt es in Deutschland noch die seltene Möglichkeit der Überkreuz-Nieren-Spende.
00:14:01: Dann könnte man immer noch überlegen, ob man ein anderes Paar findet
00:14:05: und sich sozusagen überkreuz die Nieren austauscht.
00:14:08: Das haben wir auch schon gemacht.
00:14:09: Also diese Kreuz-Nieren-Spende hört sich ja sehr spannend an.
00:14:13: Das habe ich jetzt auch selber noch nicht so oft gehört.
00:14:14: Vielleicht können wir da noch eine Extra-Folge drüber machen, das finde ich sehr spannend.
00:14:19: Musstest du auch eine Immunadsorption vorher machen, Alex?
00:14:22: Ja, genau. Also ich war dann drei Tage vor der OP schon stationär aufgenommen.
00:14:28: Und das war auch gar nicht dramatisch dann, die eigentliche Behandlung.
00:14:32: Also mir wurde dann hier so ein Shaldon-Katheter, heißt der, gesetzt, am Hals.
00:14:37: Das ist ein bisschen aufwendiger, dauert so eine halbe Stunde.
00:14:40: Man muss da irgendwie besonders auf Sterilität achten.
00:14:44: Aber es ist jetzt auch nicht schmerzhaft oder so.
00:14:46: Jedenfalls hat man dann so einen kleinen Schlauch hier am Hals raushängen für die nächsten Tage.
00:14:51: Das ist eigentlich das, was am meisten stört.
00:14:53: Dann wird da irgendwas angeschlossen.
00:14:56: Das sieht für mich als Laien aus wie eine Dialyse-Maschine.
00:14:59: Jedenfalls läuft da offenbar mein Blut durch und wird dann, ja, gefiltert.
00:15:03: Aber das kann Professor Kurschat besser erklären.
00:15:05: Und die Antikörper werden da rausgewaschen.
00:15:07: Ja, und das tut aber auch überhaupt nicht weh und mir wurde auch nicht übel oder irgendwas.
00:15:11: Das dauert dann, je nachdem, wie hoch die Antikörperzahl ist, irgendwie zwei oder drei Stunden ungefähr.
00:15:18: Und das macht man dann jeden Tag bis zum Tag der OP.
00:15:22: Und wie lief es dann am Tag der OP ab?
00:15:25: Ach ja, um sieben Uhr circa wird mein Vater abgeholt.
00:15:29: Und ja, ab dem Moment liegt man da und wartet auf den Anruf, dass man runter kann.
00:15:34: Und lässt sich am besten ablenken durch irgendeinen Besuch.
00:15:38: Tatsächlich, ich hatte an dem Tag überhaupt keine Angst.
00:15:41: Ich wollte es einfach nur hinter mich bringen und ich war genervt, dass ich jetzt nicht schon zu Hause bin wieder.
00:15:45: Bei mir war es dann so, dass ich um elf Uhr runtergefahren wurde.
00:15:50: Und dann kam auch schon Professor Stippel, der Operateur, zu mir und meinte, dass mit meinem Vater alles in Ordnung ist und alles super aussieht und auch die Niere gut aussieht.
00:15:59: Und dass wir dann gleich mit mir weitermachen.
00:16:02: Und dann habe ich auch fünf Minuten später die Narkose bekommen.
00:16:06: Und das Nächste, was ich weiß, ist, dass ich auf der Intensivstation aufgewacht bin.
00:16:11: Ich hatte dann tatsächlich die erste Minute ziemlich starke Schmerzen.
00:16:14: Aber der Pfleger, der bei mir die ganze Zeit am Bett saß, hat mir dann direkt irgendwas dagegen gegeben.
00:16:19: Das ging dann auch wirklich innerhalb von 30 Sekunden weg, der Schmerz.
00:16:23: Also ich weiß nicht, was das war, aber es war wirklich gutes Zeug.
00:16:26: Und in dem Moment war ich aber einfach schon total happy, weil mir auch gesagt wurde, dass alles super gelaufen ist und die Niere jetzt schon ihre Arbeit verrichtet.
00:16:34: Man ist wohl auch tatsächlich ein bisschen high von der Schmerzmedikation.
00:16:39: Und also ab dann war alles entspannt, kann man sagen.
00:16:43: Und jetzt auch nüchtern betrachtet, einige Wochen später, jetzt nach der Transplantation, wie könntest du das beschreiben?
00:16:48: Das ist ja schon ein sehr langer Verlauf gewesen von Beginn deiner Nierenerkrankung bis zur Vorbereitung, wo dann ja auch viel Sorgen und Ängste vorher mit dabei sind.
00:16:57: Jetzt nach der Transplantation, wo du auch alles hinter dir hast, wie fühlst du dich jetzt und wie kannst du diese Gefühle einordnen?
00:17:03: Naja, also zunächst muss man sagen, dass es wirklich überhaupt nicht so schlimm war, wie ich mir vorgestellt habe.
00:17:09: Und ich einfach froh bin, dass ich es hinter mich gebracht habe, weil das hing ja wirklich die zwei Jahre davor wie so ein Damoklesschwert über einem.
00:17:17: Und ich meine, dass ich direkt nach der OP gemerkt habe, dass ich fitter bin.
00:17:23: Natürlich baut man dann zunächst etwas ab.
00:17:25: Das liegt ja einfach daran, dass man im Bett liegt für zumindest mal einen ganzen Tag.
00:17:29: Am Tag nach der OP steht man dann schon kurz auf.
00:17:34: Da legt die Pflege auch Wert drauf, dass man auf jeden Fall mal das Bett verlässt.
00:17:38: Und direkt den Tag danach bewegt man sich schon über den Flur ein bisschen.
00:17:42: Also es geht dann wirklich stetig bergauf.
00:17:45: Jeder Tag wird besser.
00:17:46: Man fühlt sich jeden Tag fitter.
00:17:48: Und ich war dann wirklich einfach nur total happy, dass ich es hinter mich gebracht habe.
00:17:52: Und habe mich dann auch gefragt.
00:17:53: Also wenn mir das so geschildert worden wäre, hätte ich es auch viel früher in Angriff genommen, denke ich.
00:17:58: Das ist richtig schön zu hören und auch deinen Verlauf zu hören.
00:18:01: Und macht, glaube ich, auch vielen von unseren Zuhörerinnen und Zuhörern Mut, die das Ganze noch vor sich haben.
00:18:06: Oder sich vielleicht genau die gleichen Gedanken machen, die du dir gemacht hast.
00:18:09: Was mir jetzt auch wieder zeigt, wie wichtig hier auch unsere Arbeit ist.
00:18:12: Und das alles auch für diejenigen, die das noch alles vor sich haben, hier aufzuklären.
00:18:17: Und auch vor allem aus Sicht von einem Betroffenen zu hören.
00:18:21: Und nicht nur von uns Ärztinnen und Ärzten, die natürlich das alles auch ein bisschen anders erzählen, als aus der Sicht der Betroffenen selbst.
00:18:29: Wie fühlt es sich jetzt an mit neuer Niere so?
00:18:31: Tatsächlich, man denkt immer weniger darüber nach.
00:18:34: Natürlich wird man jeden Tag daran erinnert, weil man ja morgens und abends die Immunsuppressiva einnehmen muss.
00:18:39: Auch zu konkreten Zeiten immer.
00:18:41: Und natürlich wird man daran erinnert, wenn man in den Spiegel schaut morgens, weil man da natürlich jetzt eine Narbe hat.
00:18:46: Die aber auch weniger schlimm ist, als ich dachte.
00:18:50: Also ich fühle mich gut.
00:18:51: Es geht jetzt darum, am Anfang muss man natürlich noch Infektionen vermeiden und kann noch keinen Sport machen.
00:18:57: Deswegen ist das Leben schon noch ein bisschen anders als ein komplett normales Leben.
00:19:01: Aber ich mache schon wieder ganz, ganz viele Sachen und bin auch nicht nur zu Hause.
00:19:06: Ich war auch schon auf einem Konzert, habe dann eben eine FFP2-Maske angezogen.
00:19:10: Man merkt die Niere auch nicht bei der Bewegung.
00:19:13: Da hatte ich halt vor der OP, man weiß es ja nicht, habe ich mich gefragt, ob die irgendwie wackelt und man das dann merkt bei Bewegungen und ob ich weiterhin Sport machen kann.
00:19:21: Aber die ist da so gut reingesetzt in, ich weiß nicht, Leisten unterer Bauchbereich, wie man das nennt.
00:19:27: Da so fest verankert, dass die da eben nicht wackelt.
00:19:31: Ja, also das beruhigt dann auch, denke ich mal, wenn man es vorher weiß.
00:19:35: Das ist sehr schön zu hören, ein wunderbarer Verlauf.
00:19:37: Vielen, vielen Dank, dass du uns Eindrücke gegeben hast von deinem Verlauf und deiner Nierenlebendspende und schön, dass du da warst.
00:19:45: Ich hoffe, es hat Mut gemacht, euch Zuhörenden und auch an Sie, Frau Prof. Kurschert.
00:19:49: Vielen Dank, dass Sie Zeit und Lust hatten, hier bei uns in dieser Folge dabei zu sein.
00:19:54: Ja, ganz herzlichen Dank. Also hat es Spaß gemacht. Super.
00:19:57: Ja, mir hat es auch Spaß gemacht. Vielen Dank.
00:19:58: Und tschüss.
00:19:59: Und tschau.
00:20:00: Und tschüss.
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