Rund um: Das nephrotische Syndrom

Shownotes

In unserer ersten Folge erklären wir euch alles, was ihr rund um das nephrotische Syndrom wissen müsst. Wie bemerke ich, dass ich erkrankt bin? Wie wird die Diagnose gestellt? Wie kann ich meine Genesung positiv beeinflussen? Unsere Experten Prof. Dr. Paul Brinkkötter und Prof. Dr. Lutz Weber beantworten eure häufigsten Fragen.

Mehr Informationen findet ihr auf unserer Website!

Ihr habt Ideen, Vorschläge und weitere Fragen, die wir in unseren nächsten Folgen adressieren sollen? Nehmt gerne mit uns Kontakt auf! https://forus.info/kontakt

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00:00:09: Hallo und herzlich willkommen zu unserem neuen Podcast-Format Rund um die Niere.

00:00:14: Mein Name ist Sophia Sharma und ich bin Assistenzärztin in der Nephrologie der Uniklinik Köln

00:00:18: und freue mich schon darauf, dieses neue Format mit euch teilen zu dürfen.

00:00:21: Und zwar geht es in dieser Podcast-Reihe um eine ganz besondere Nierenerkrankung,

00:00:25: nämlich das Nephrotische Syndrom.

00:00:26: Wir haben in einer Umfrage eure häufigsten Fragen hierzu gesammelt

00:00:30: und möchten versuchen, euch diese so gut wie möglich in dieser Podcast-Reihe zu beantworten.

00:00:34: Und das auch nicht nur aus der ärztlichen Perspektive.

00:00:36: Denn auch betroffene Patientinnen und Patienten werden ihren Anteil an diesem Podcast haben

00:00:41: und werden uns in den nächsten Folgen besuchen

00:00:44: und ein bisschen aus ihrem Leben mit dem Nephrotischen Syndrom erzählen

00:00:48: und vor welche Herausforderungen das jemand stellen kann.

00:00:51: Vorher sollten wir uns jedoch alle auf den gleichen Stand bringen

00:00:54: und uns die Frage stellen, was genau ist eigentlich das Nephrotische Syndrom?

00:00:58: Wie fällt es mir auf? Wie wird es therapiert?

00:01:00: Und kann ich meine Genesung positiv beeinflussen?

00:01:03: Um all diese Fragen ausreichend klären zu können,

00:01:05: habe ich glücklicherweise zwei Experten auf diesem Gebiet an meiner Seite.

00:01:08: Zu meiner Linken sitzt Professor Paul Brinkkötter,

00:01:11: Internist und Nephrologe,

00:01:13: Altersmediziner und Leiter der Klinischen Forschergruppe hier an der Uniklinik Köln.

00:01:17: Lieber Paul, herzlich willkommen und danke, dass du da bist.

00:01:20: Vielen Dank, Sophia. Hallo zusammen.

00:01:23: Und da diese Erkrankung nicht nur Erwachsene betrifft,

00:01:26: sondern sehr häufig auch Kinder,

00:01:27: freue ich, dass mir gegenüber Professor Lutz Weber sitzt,

00:01:30: Kinderarzt und Kinder-Nephrologe hier an der Uniklinik Köln.

00:01:33: Er leitet die Kinder-Nephrologie und ist gleichzeitig auch Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie.

00:01:39: Auch von meiner Seite allen ein herzliches Willkommen bei diesem Podcast-Format.

00:01:44: Bevor wir uns dem Nephrotischen Syndrom widmen,

00:01:47: vielleicht zum Einstieg erstmal noch eine Frage an dich, Paul.

00:01:49: Wie funktioniert eigentlich eine gesunde Niere?

00:01:51: Ja, die gesunde Niere ist ein ganz besonderes Organ.

00:01:54: Und heute konzentrieren wir uns auf den Nierenfilter.

00:01:59: Und das sind ganz kleine Gefäßknäuel.

00:02:02: Man kann sie sich vorstellen wie kleine Wollknäuel mit dem Auge, mit dem bloßen Auge gar nicht sichtbar.

00:02:07: Unter dem Mikroskop können wir sie erkennen.

00:02:10: Und diese kleinsten Gefäße bilden drei Schichten.

00:02:13: Und das ist wichtig für unser Verständnis über die Funktion,

00:02:17: aber auch über die Krankheiten, die den Nierenfilter betreffen.

00:02:19: Denn diese drei Schichten, das ist einmal die das Gefäß auskleidende Schicht,

00:02:24: die sogenannten Endothelzellen.

00:02:26: Dahinter eine Basalmembran.

00:02:29: Das müssen wir uns eher vorstellen wie eine Art Schwamm, wie eine Art Gel.

00:02:34: Und als äußerste Schicht nochmal ganz besondere Zellen, die das Ganze zusammenhalten, die Podozyten.

00:02:39: Und alle drei dieser Schichten sind wichtig.

00:02:41: Sie halten nämlich den Filter dicht.

00:02:44: Und alle drei Schichten können beschädigt sein,

00:02:46: wenn es zu Krankheiten kommt, über die wir heute reden wollen.

00:02:50: Und was genau passiert jetzt eigentlich beim Nephrotischen Syndrom?

00:02:53: Das ist eine wirklich ganz wichtige Frage, die wir leider gar nicht im Detail ganz genau beantworten können.

00:03:00: Was wir jetzt wissen ist, dass die Erkrankung Nephrotisches Syndrom,

00:03:04: bei der es zu einem Verlust von Eiweißstoffen über den von Professor Brinkkötter gerade erwähnten Nierenfilter geht,

00:03:12: dass dort die erwähnten Podozyten, diese Zellen, die außen vorsitzen, erkrankt sind.

00:03:19: Und die schaffen es eben nicht mehr, die Eiweißstoffe im Körper zu halten,

00:03:23: sondern verlieren sie über den Filter in den Urin.

00:03:26: Die Ursachen dafür sind am ehesten vielfältig.

00:03:29: Sie können immunologisch sein.

00:03:32: Das heißt, dass hier es zu Reaktionen kommt des Körpers,

00:03:35: die auch mit Entzündungsreaktionen zu tun haben.

00:03:38: Es kann sein, dass hier genetische Ursachen da sind, die den Aufbau dieser Filterstruktur

00:03:43: und auch die Funktionsweise der erwähnten Podozyten beeinträchtigen.

00:03:47: Es kann sein, dass es hier zu weitesten Sinne architektonischen Veränderungen der Struktur kommt,

00:03:53: zu einem Auseinanderweichen der eigentlich dichten Strukturen,

00:03:56: die dann löchrig werden und Eiweißmoleküle durchlassen.

00:03:59: Und es kann sein, dass Infektionen oder auch Faktoren, die sich im Blut befinden,

00:04:06: den Filter durchlässig machen für die Eiweißmoleküle.

00:04:11: Und dann sind wir schon bei dem, was das nephrotische Syndrom ausmacht,

00:04:14: nämlich den Verlust von Eiweiß, insbesondere Albumin, über den Filter in den Urin.

00:04:21: Und wie genau fällt mir jetzt auf, dass ich am nephrotischen Syndrom erkrankt sein könnte?

00:04:25: Am häufigsten berichten die Patienten über wirklich explosionsartig plötzlich aufgetretene Schwellungen ihrer Beine,

00:04:32: sogenannte Ödeme.

00:04:34: Beide Beine sind häufig betroffen.

00:04:35: Es hängt meistens an den Füßen, an den Unterschenkeln an und schreitet dann aber auch schnell fort

00:04:40: und ist nicht beschränkt nur auf die Beine.

00:04:42: Beim wirklich ausgeprägten nephrotischen Syndrom klagen unsere Patienten auch über Wasseransammlungen in den Armen,

00:04:49: am Bauch, aber auch zum Beispiel im Bereich des Hodens oder im Bereich der Augen.

00:04:52: Also der ganze Körper lagert Wasser ein und das ist wirklich das führende Symptom beim nephrotischen Syndrom,

00:04:59: insbesondere wenn es zum ersten Mal auftritt, mit dem sich die Patienten bei uns vorstellen.

00:05:03: Daneben gibt es dann noch andere Aspekte, häufigere Immundefekte, also häufigere Entzündungen, die auftreten können,

00:05:09: Thrombosen, die auftreten können, aber das ist dann doch eher seltener.

00:05:12: Im Kindesalter ist es beinahe eine Blickdiagnose.

00:05:16: Und als Kinder- und Jugendarzt wird man immer, wenn Kinder im typischen Alter für die Erkrankung,

00:05:22: eben zwischen dem ersten, zweiten bis zehnten Lebensjahr, bei geschwollenen Lidern und geschwollenen Beinen

00:05:29: auch immer zuerst ein Urin untersuchen und schauen, ob Eiweiß im Urin aufffindbar ist.

00:05:35: Okay, also vor allem durch Wassereinlagerung fällt uns auf, dass etwas nicht stimmt.

00:05:39: Wenn das nephrotische Syndrom jetzt diagnostiziert worden ist, wie wird es denn dann therapiert?

00:05:45: Dafür ist es natürlich ganz wichtig zu verstehen, was ist die Ursache.

00:05:49: Und da unterscheidet sich das ein bisschen bei Erwachsenen von den Kindern.

00:05:53: Und Lutz, du wirst gleich noch über die Kinder reden.

00:05:55: Ich fokussiere mich jetzt mal auf die Erwachsenen.

00:05:57: Denn bei den Erwachsenen ist es vielfältig oder es gibt vielfältige Ursachen,

00:06:02: die zu dem nephrotischen Syndrom führen können, sodass wir sehr häufig, sehr schnell

00:06:07: dann eine Gewebeprobe entnehmen aus der Niere, um genau zu wissen, was ist in der Niere los,

00:06:12: was schädigt den Filter.

00:06:13: Häufig sind es eben diese entzündlichen Erkrankungen, wo wir das Immunsystem dann bremsen müssen.

00:06:19: Wir haben ein überschießendes, ein überaktiviertes Immunsystem und dann müssen wir das bremsen

00:06:23: durch bestimmte Medikamente.

00:06:25: Dazu gehört das alte Kortison, Steroide.

00:06:28: Aber es gibt auch neuere Präparate, die zielgerichtet das Immunsystem unterdrücken.

00:06:33: Aber es gibt eben auch Fälle, da ist eine andere Ursache dahinter.

00:06:37: Und da muss man eine andere Therapieform wählen.

00:06:39: Das tritt dann bei Erwachsenen häufiger auf als bei Kindern.

00:06:43: Deswegen sind wir bei Erwachsenen immer sehr schnell bei der Gewebeprobe, die wir nehmen,

00:06:47: vor Beginn einer Therapie, um wirklich sicher zu sein, was ist hier die Ursache des nephrotischen Syndroms.

00:06:53: Und da hacke ich als Kinder- und Jugendarzt und Kindernephrologe sofort ein.

00:06:57: Das ist ein Unterschied zur Kindermedizin, wo die Entnahme einer Gewebeprobe aus der Niere

00:07:03: über eine Nierenbiopsie nicht an erster Stelle steht, der weiteren Diagnostik,

00:07:09: sondern wir diagnostizieren das nephrotische Syndrom eben über das klinische Bild,

00:07:13: was wir eben schon beschrieben haben, den Verlust von großen Mengen Eiweiß im Urin

00:07:17: und dem entsprechenden Absinken dieser Eiweißkonzentrationen im Blut.

00:07:22: Und da im Kindesalter die primären Formen des nephrotischen Syndroms,

00:07:27: insbesondere das sogenannte idiopathische nephrotische Syndrom,

00:07:31: was also aus sich selbst entsteht, ohne klar definierbare andere Ursache,

00:07:36: ist hier der Therapieversuch mit dem von Paul schon erwähnten Cortison an allererster Stelle,

00:07:42: ist dann, wenn die Kinder ansprechen, auch Diagnose beweisend

00:07:46: und ist das entscheidende Kriterium für die Prognose der Erkrankung.

00:07:51: Also im Kindesalter weniger die zugrunde liegende Gewebeauffälligkeit,

00:07:56: sondern das klinische Ansprechen auf die Cortison-Therapie ist für das weitere Vorgehen entscheidend.

00:08:02: Und auch was die von Paul schon erwähnten möglichen anderen Medikamente angeht.

00:08:07: Jetzt hast du schon das Wort Prognose benutzt, das ist auch eine sehr häufig gestellte Frage.

00:08:12: Wie ist denn so die Prognose beim nephrotischen Syndrom

00:08:14: und gibt es hier Unterschiede bei Erwachsenen und bei Kindern?

00:08:17: Ich fange als Kinder- und Jugendarzt wieder an.

00:08:20: Ja, ganz sicher ist es so, die Kinder, die so ein idiopathisches nephrotisches Syndrom haben

00:08:25: und im typischen Alter zwischen zwei und zehn Jahren daran erkranken,

00:08:29: haben eine sehr, sehr gute Chance, auf die Cortison-Therapie anzusprechen.

00:08:34: Ansprechen in diesem Kontext heißt, dass sie die Eiweißausscheidung im Urin wieder verlieren.

00:08:39: Das tun 80 bis 90 Prozent der betroffenen Kinder.

00:08:43: Die Erkrankung hat einen kleinen Haken und der ist, dass sie chronisch rezidivierend verläuft.

00:08:51: Das heißt, bei sicher 80, 90 Prozent der Kinder kommt es zu weiteren Rückfällen

00:08:58: und wieder erneuten Eiweißausscheidungen im Urin,

00:09:01: die dann jeweils wieder mit Cortison behandelt werden müssen.

00:09:04: Und von diesen ungefähr 80 Prozent haben mehr als die Hälfte dann einen Verlauf,

00:09:10: der von häufigen Rezidiven gekennzeichnet ist.

00:09:14: Häufige Rezidive definieren sich über die schiere Anzahl von Rückfällen

00:09:19: in einer bestimmten Zeitperiode und müssen dann wieder mit Cortison

00:09:23: oder, um die damit verbundene Nebenwirkungen zu minimieren,

00:09:28: mit alternativen Medikamenten behandelt werden.

00:09:31: Die Langzeitprognose dieser Form der Erkrankung für das Kindesalter

00:09:35: ist aber insofern sehr gut, als es nur ganz, ganz, ganz, ganz selten

00:09:39: zu einer Einschränkung der Nierenfunktion kommt

00:09:41: und dass gut 70 Prozent der betroffenen Kinder nach der Pubertät

00:09:46: keine Krankheitsaktivität mehr haben.

00:09:49: Die restlichen 30 Prozent sieht dann Paul mit seinem Team weiterhin

00:09:54: in seiner Ambulanz und wird jetzt dann sicher erzählen,

00:09:57: wie es dann im Erwachsenenalter weitergeht.

00:10:00: Das mache ich sehr gerne. Danke, Lutz.

00:10:01: Und da ist es, wie gesagt, sehr wichtig zu unterscheiden.

00:10:05: Es gibt einmal die gerade beschriebenen Patientinnen,

00:10:08: die von Kindesbeinen an im jugendlichen Alter

00:10:11: schon immer wieder mal Krankheitsaktivitäten hatten,

00:10:14: die dann bei uns in der Ambulanz weitergeführt werden,

00:10:17: als junge Erwachsene und älter werden.

00:10:19: Und da führen wir in der Regel das Therapieschema,

00:10:23: was in dem Kindesalter gut funktioniert hat, fort

00:10:25: und versuchen, diese erneuten Schübe entsprechend abzufangen.

00:10:29: Da unterscheidet sich die Therapie dann auch nicht.

00:10:31: Bei einer Neudiagnose bei dem Erwachsenen ist es eben so wichtig,

00:10:35: dass wir andere Erkrankungen vorher ausschließen.

00:10:39: Da ist es wichtig zu verstehen, dass das nephrotische Syndrom

00:10:42: nicht eine eigene Erkrankung ist,

00:10:45: sondern ein sogenanntes Erkrankungsmuster.

00:10:47: Das heißt, es gibt verschiedene Krankheiten,

00:10:50: die sich klinisch mit den gleichen Symptomen präsentieren können

00:10:54: und anders behandelt werden müssen.

00:10:57: Deswegen ist es so bedeutsam im Erwachsenenalter,

00:11:00: dass wir bei diesen Erstdiagnosen die Gewebeprobe entnehmen,

00:11:03: um genau die Diagnose stellen zu können.

00:11:07: Und dann behandeln wir die zugrunde liegende Ursache,

00:11:10: die zugrunde liegende Erkrankung.

00:11:11: Und das kann sich dann durchaus unterscheiden

00:11:13: von dem gerade beschriebenen Vorgehen.

00:11:15: Und dann muss man wirklich im Einzelfall besprechen.

00:11:18: Und das hat natürlich auch Bedeutung

00:11:20: im Hinblick auf die Prognose und das Fortschreiten.

00:11:22: Generell kann man aber sagen,

00:11:24: auch im Erwachsenenalter können wir das Nephrotische Syndrom

00:11:27: gut behandeln.

00:11:28: Und wir haben gute Medikamente,

00:11:30: die wir dort einsetzen können.

00:11:32: Zunehmend auch zielgerichtete Therapieansätze,

00:11:35: die mit weniger Nebenwirkungen einhergehen.

00:11:38: Wir stehen aber vor denselben Herausforderungen.

00:11:40: Auch im Erwachsenenalter kommt die Erkrankung häufig wieder.

00:11:44: Und in wenigen Fällen müssen wir dann auch

00:11:47: die Immunsuppression entsprechend intensivieren,

00:11:50: um zu verhindern,

00:11:51: dass es zu einem fortschreitenden Verlust

00:11:53: von Nierenfunktionen kommt.

00:11:54: Also, dass die Nieren langsam über die Zeit

00:11:57: ihre Funktion einstellen.

00:11:59: Und das ist ein Unterschied zu den Kindern,

00:12:00: wo wir weniger häufig die Verschlechterung

00:12:02: der Nierenfunktion messen können.

00:12:04: Das sehen wir bei Erwachsenen dann schon.

00:12:06: Und da ist das Ziel eben,

00:12:07: dieses Fortschreiten der Nierenkrankheit

00:12:10: zu verhindern, zu verlangsamen,

00:12:12: um Patienten bestmöglich zu schützen.

00:12:15: Was können denn Patientinnen und Patienten

00:12:17: selbst tun oder auch Eltern erkrankter Kinder,

00:12:20: um den Krankheitsverlauf

00:12:21: vielleicht auch positiv beeinflussen zu können?

00:12:23: Ja, das ist für die Kinder so,

00:12:26: dass wir die Eltern darauf trainieren

00:12:29: und ihnen auch erklären,

00:12:30: wie sie zu Hause überprüfen können,

00:12:33: ob es wieder zu einer Eiweißausscheidung

00:12:35: im Urin gekommen ist,

00:12:36: zum Beispiel nach einer erfolgreichen Behandlung,

00:12:38: ob es zu einem sogenannten Rezidiv kommt.

00:12:41: Und dazu leiten wir die Eltern,

00:12:43: aber auch die Kinder selber an,

00:12:45: ein- bis zweimal in der Woche

00:12:47: den Urin selbstständig zu untersuchen.

00:12:49: Das ist relativ einfach

00:12:51: mit dafür vorgesehenen Teststäbchen möglich,

00:12:54: die man in eine kleine Menge

00:12:56: aufgefangenen Urins eintaucht

00:12:57: und dann anhand einer Farbtabelle ablesen kann.

00:13:01: So können die Eltern zu Hause,

00:13:03: ohne jedes Mal den Arzt

00:13:05: oder den Kinderarzt konsultieren zu müssen,

00:13:06: überprüfen,

00:13:07: ob es wieder zu einer Eiweißausscheidung kommt.

00:13:10: Das ist eine ganz wichtige Aufgabe,

00:13:12: die die Familien selber übernehmen können,

00:13:14: das heißt die Erkrankungsbegleitung und Überwachung.

00:13:17: Neben der regelmäßigen Einnahme

00:13:19: der Medikamente im Behandlungsfalle,

00:13:22: geben wir den Familien grundsätzlich

00:13:24: immer die Empfehlung,

00:13:25: dass das Leben genauso weitergeführt wird,

00:13:28: wie bisher.

00:13:29: Die Kinder sollen ihr schulisches

00:13:31: und ihr Sozialleben genauso weiterführen,

00:13:33: wie bis dahin.

00:13:35: Und wir empfehlen grundsätzlich das,

00:13:37: was auch von anderen Organisationen,

00:13:39: also zum Beispiel der Deutschen Gesellschaft

00:13:41: für Ernährung als gesunde Kinderernährung

00:13:43: dargestellt wird.

00:13:44: Das empfehlen wir diesen Kindern auch.

00:13:47: Und ich glaube,

00:13:47: das muss ja auch unser Ziel sein,

00:13:49: dass sie unsere Patienten so behandeln,

00:13:51: dass sie ein möglichst

00:13:52: in Anführungszeichen

00:13:52: normales Leben führen können.

00:13:54: Unbedingt, ja.

00:13:55: Und wenn ich das noch ergänzen darf,

00:13:57: in der Erwachsenen-Nephrologie

00:13:58: treten dann noch andere Aspekte mit

00:14:01: in den Vordergrund.

00:14:02: Also wenn man so möchte,

00:14:03: haben wir zwei Aspekte.

00:14:04: Einmal den krankheitsspezifischen Aspekt,

00:14:07: dass wir die Krankheitsaktivität

00:14:08: unterdrücken wollen.

00:14:09: Und daneben den Aspekt,

00:14:11: dass wir alles tun,

00:14:12: um ein Fortschreiten der Nierenkrankheit

00:14:15: zu verhindern oder zu verlangsamen.

00:14:17: Das nennen wir Progressionshemmung.

00:14:20: Und dazu gehört eine gute Blutdruckeinstellung.

00:14:23: Das ist das A und O

00:14:24: bei nahezu allen Nierenkrankheiten.

00:14:27: Wir müssen den Blutdruck gut einstellen,

00:14:29: weil wir haben gelernt

00:14:30: über die letzten Jahrzehnte,

00:14:31: das ist einer der Haupttreiber

00:14:34: nicht nur von Herzinfarkten,

00:14:36: Schlaganfällen,

00:14:37: sondern auch von einem fortschreitenden Verlust

00:14:39: von Nierenfunktion.

00:14:40: Also Blutdruckeinstellung ist enorm wichtig,

00:14:42: insbesondere wenn wir viel Eiweiß

00:14:44: über den Urin verlieren.

00:14:45: Daneben raten wir allen unseren Patienten,

00:14:48: wenn sie rauchen,

00:14:49: stellen sie das Rauchen ein,

00:14:50: schützen sie ihre Gefäße.

00:14:51: Ich habe es eingangs gesagt,

00:14:53: die Niere ist ein Organ,

00:14:54: der Nierenfilter sind kleine Gefäßknäuel.

00:14:57: Also wir müssen unsere Gefäße schützen,

00:14:59: damit unser Nierenfilter funktioniert.

00:15:01: Und dazu gehört eben der Verzicht auf Nikotin.

00:15:03: Eine gesunde Ernährung,

00:15:06: wir nennen das häufig mediterrane Diät,

00:15:08: also Gemüse, Obst, Olivenöl, wenig Salz,

00:15:12: das ist das, was wir unseren Patienten empfehlen.

00:15:14: Eine ausgewogene, eine ausgeglichene Ernährung

00:15:16: entsprechend der Empfehlungen der Fachgesellschaften.

00:15:21: Gewichtsoptimierung,

00:15:22: also nicht zu dick, nicht zu dünn,

00:15:24: sondern wirklich ein gesundes Mittelmaß.

00:15:26: Sporttreiben, vor allem Ausdauersport,

00:15:28: das sind so Aspekte,

00:15:29: das kann jeder Einzelne,

00:15:30: der betroffen ist, selber beitragen,

00:15:31: um ein Fortschreiten der Erkrankung

00:15:35: und des Verlustes von Nierenfunktionen

00:15:37: selber zu verhindern und positiv zu beeinflussen.

00:15:40: Und welchen Beitrag kann jetzt

00:15:42: FOrUs hierzu leisten?

00:15:44: Dazu muss ich ein bisschen weiter ausholen.

00:15:47: Die Idee zu FOrUs ist entstanden

00:15:49: aus einer Forschungsinitiative.

00:15:52: Hier in Köln gemeinsam mit vielen anderen Zentren

00:15:55: in Deutschland beschäftigen wir uns seit vielen Jahren

00:15:58: mit den Grundlagen der Niere,

00:16:01: aber insbesondere auch den Grundlagen der Erkrankungen,

00:16:03: die zum Defekt des Nierenfilters führen.

00:16:06: Und im Rahmen unserer Aktivitäten

00:16:08: haben wir zunächst eine sogenannte

00:16:09: klinische Forschergruppe gegründet

00:16:12: und ein Patientenregister,

00:16:15: wo wir an verschiedenen Standorten in Deutschland

00:16:17: Patienten aktiv ansprechen

00:16:19: und zur Mitarbeit einladen,

00:16:22: wo wir Informationen über das Therapie ansprechen,

00:16:25: über die Symptome, über den Alltag sammeln.

00:16:28: Und es ist uns schnell klar geworden,

00:16:31: dass diese wissenschaftliche Aktivität

00:16:33: alleine nicht ausreicht,

00:16:34: sondern wir müssen raustragen,

00:16:36: wir müssen besser informieren

00:16:37: über das, was wir tun,

00:16:38: wir müssen über die Erkrankungen aufklären,

00:16:40: über die Behandlungsmöglichkeiten aufklären.

00:16:42: Und dafür brauchen wir ein dafür geeignetes Portal.

00:16:45: Und so ist die Idee entstanden

00:16:46: zu der Patientenplattform FOrUs.

00:16:49: Und das Besondere,

00:16:51: was hier mit FOrUs gelingt,

00:16:52: ist eben,

00:16:53: dass wir die Erkrankung

00:16:55: über Altersgrenzen hinweg betrachten

00:16:57: und eine Plattform anbieten,

00:17:00: die sowohl Betroffene im Kindes- und Jugendalter

00:17:03: als auch Betroffene im Erwachsenenalter anspricht.

00:17:06: Genau.

00:17:06: Und so hoffen wir,

00:17:08: mit verschiedenen Formaten,

00:17:09: wie mit diesem Podcast

00:17:10: oder Textbeiträgen, Videos,

00:17:13: Patientinnen, Patienten,

00:17:14: aber auch Angehörige, Eltern,

00:17:16: Verwandte, Freunde ansprechen zu können.

00:17:19: Gleichzeitig auch eine Struktur zu geben,

00:17:22: wie erreiche ich ein spezialisiertes Zentrum?

00:17:24: Wie komme ich zu einer zweiten Meinung?

00:17:26: Jedem steht das zu,

00:17:27: die sollte man sich einholen.

00:17:28: Aber auch Kontakt zu Patientenorganisationen,

00:17:31: wie bleibt man auf dem neuesten Stand

00:17:33: im Hinblick auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse,

00:17:36: neue Medikamente,

00:17:37: neue Studien, die angeboten werden.

00:17:38: All das soll FOrUs leisten.

00:17:40: Ja, das hört sich wirklich nach einem super spannenden Konzept an

00:17:44: und meiner Meinung nach auch super hilfreich

00:17:47: und eine große Unterstützung für betroffene Patientinnen und Patienten

00:17:50: und nicht nur für diese,

00:17:52: sondern auch für ihre Familien, Angehörigen oder Freunde.

00:17:55: Und jetzt freue ich mich schon gleich noch mehr drauf,

00:17:58: in den nächsten Folgen die Erfahrungsberichte

00:18:00: der betroffenen Patientinnen und Patienten zu hören

00:18:03: und diese zu interviewen

00:18:05: und bin ganz gespannt

00:18:06: und hoffe, ihr auch

00:18:08: und seid auch bei den nächsten Folgen mit von der Partie.

00:18:11: Auch euch, Lutz und Paul,

00:18:13: vielen Dank für eure Zeit

00:18:14: und hoffentlich bis bald.

00:18:16: Auch von meiner Seite ganz herzlichen Dank

00:18:18: und bis bald.

00:18:19: Vielen Dank, bis bald.

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